Langzeittest: Nie wieder Schuhe schnüren!

Nie wieder Schuhe schnüren (links: YANKZ, rechts: XTENEX)

Nie wieder Schuhe schnüren (links: YANKZ, rechts: XTENEX)

Ursprünglich wurden sie wohl für Triathleten entwickelt: Schnürsysteme, die “normale” Sport- und vor allem Laufschuhe quasi in Slipper verwandeln. Es ist auch unmittelbar einleuchtend, dass sich beim Triathlon wertvolle Sekunden sparen lassen, wenn man sich beim Wechsel von der Rad- auf die Laufstrecke nicht noch einmal hinknien muss, um die Schuhe zu binden. Nun bin ich (jedenfalls zur Zeit) kein Triathlet, und Läufer wechseln ja im Allgmeinen nicht während eines Trainings oder Wettkampfs das Material – bietet ein solches Schnürsystem einem “Nur-Läufer” also überhaupt Vorteile? Und wie bewährt es sich im praktischen Einsatz?

Dass der Läufer zu hause beim Anziehen der Schuhe vor dem Training und beim Ausziehen nach der Einheit ein paar Sekunden sparen kann, darf wohl kaum als Vorteil gelten. Schon eher, dass es nach einem besonders harten Lauf ganz angenehm sein kann, sich nicht zum Aufschnüren bücken zu müssen, sondern man sich den Schuh einfach vom Fuß streifen kann. Für mich waren aber zwei andere Probleme beziehungsweise deren Lösung der Auslöser, mich mit alternativen Schnürsystemen zu beschäftigen: Zum Einen sind mir ab und an während des Laufs die herkömmlichen Schnürsenkel einfach aufgegangen (und ja, ich kann eine Schleife binden, seit ich eingeschult wurde). Ein Doppelknoten war mir beim Aufschnüren zu lästig, also musste ich hier und da stehenbleiben, um den Schuh wieder zu schließen. Besonders bei Regen oder im Matsch nicht wirklich Grund für große Freude. Zum Anderen kommt es vor, dass man den Schuh zu fest oder zu locker schnürt. Das kann dann beim Laufen für ein lästiges bis schmerzhaftes Gefühl sorgen – zu fest geschnürte Schuhe bewirken bei mir zum Beispiel das Gefühl eingeschlafener Füße. Ein weiteres Problem, das mich selbst allerdings eher selten gestört hat, ist, dass die Füße während des Laufens ein wenig anschwellen, und damit eine Schnürung, die zu Beginn des Trainings perfekt saß, zum Ende der Einheit eventuell drückt. Auch diese drei Probleme sollten mit einem neuen Schnürsystem der Vergangenheit angehören.

Im Mai 2008 stattete ich deshalb je ein paar Schuhe mit Schnürsenkeln der Systeme YANKZ und XENTEX aus. Seitdem habe ich in diesen Schuhen etwa 300 Kilometer zurückgelegt. Zeit also, die Testergebnisse einmal zusammenzufassen.

Das Prinzip

YANKZ und XENTEX basieren auf dem gleichen Prinzip: die handelsüblichen, in der Länge nicht flexiblen Schnürsenkel werden durch elastische Gummibänder ersetzt. Dadurch braucht der Schuh zum Einsteigen nicht mehr aufgeschnürt zu werden, man kann ihn einfach weit genug auseinanderziehen. Beide Schnürsysteme werden einmalig so fest verschlossen, dass sie praktisch nicht mehr von selbst aufgehen können. Zusätzlich passen sich die elastischen Schnürbänder dem Fuß an und sorgen so dafür, dass die Spannung der Schnürung stets gleich bleibt.

YANKZ

Das YANKZ-Schnürsystem

Das YANKZ-Schnürsystem

Das YANKZ-Schnürsystem besteht pro Schuh aus einem relativ dünn anmutenden, elastischen Schnürsenkel und zwei Clips. Der Schnürsenkel wird anders als herkömmliche Bänder von oben her in den Schuh eingefädelt, so dass oben eine Schlaufe bleibt und unten die beiden offenen Enden herausschauen. Die beiden Enden werden am unteren Ende des Schuhs mit einem Clip fest verbunden, so dass im Grunde in geschlossener Kreis entsteht. Am oberen Ende der Schnürung befindet sich ein weiterer Clip (T-Bar), mit dem sich die Schnürung verstellen lässt.

Um ehrlich zu sein wirkt das YANKZ-System auf den ersten Blick nicht wirklich Vertrauen erweckend, da der Schnürsenkel selbst sehr dünn ist. Beim Laufen gewöhnt man sich aber sehr schnell an das neue Gefühl und irgendwann vergisst man, dass man keine “normalen” Schnürsenkel mehr am Schuh hat. Was die Stabilität angeht, sind für mich keine Unterschiede festzustellen. Ich habe die YANKZ vor der ersten Benutzung und während des ersten Laufs je einmal justiert und musste sie seitdem nicht mehr nachstellen. Aufgegangen sind sie noch nie, und das Gefühl, mit einer immer gleich festen Schnürung zu laufen, finde ich sehr angenehm. Die YANKZ erfüllen für mich also vollkommen ihren Zweck.

Das System kostet pro paar Schuhe 10 Euro und ist in 14 verschiedenen Farben erhältlich. Für ein paar Schnürsenkel sind 10 Euro natürlich ein stolzer Preis!

XTENEX

XTENEX-Schnürsystem

Das XTENEX-Schnürsystem

Im Vergleich zu YANKZ wirkt das System von XTENEX auf den ersten Blick solider und stabiler. Es kommt ohne Clips aus und besteht pro Schuh aus einem etwas dickeren, elastischen Band, in das in regelmäßigen Abständen “Knoten” eingeflochten sind. Zieht man das Band um einen Knoten herum ein wenig auseinander, verschwindet der Knoten, lässt man das Band los, bildet sich der Knoten wieder. Das XTENEX-Band wird wie ein normaler Schnürsenkel in den Schuh eingefädelt. Am Anfang wirkt das ständige Auseinanderziehen und Loslassen ein wenig lästig, man bekommt aber schnell Übung darin. Im Prinzip wird der XTENEX-Schnürsenkel also wie ein herkömmliches Schuhband verwendet, die oberen Enden kann man entweder einfach hängen lassen oder mit einem Knoten schließen.

In den XTENEX-Schnürsenkeln habe ich mich von Anfang an etwas wohler gefühlt als in den YANKZ. Auch XTENEX vergisst man beim Laufen sehr schnell, auch hier ist für mich kein Unterschied in der Stabilität zu “normalen” Schnürsenkeln festzstellen. Auch die XTENEX habe ich vor der ersten Benutzung und während des ersten Laufs je einmal justiert; seitdem musste ich sie nicht mehr nachstellen. Aufgegangen sind sie ebenfalls noch nie, und auch die XTENEX vermitteln das angenehme Gefühl, mit einer immer gleich festen Schnürung zu laufen.

XTENEX gibt es in verschiedenen Farben und in verschiedenen Längen und Dicken für Sport-, Wander-, Kinder- und normale Straßenschuhe. Je nach Ausführung kosten sie um die 11 Euro.

Fazit

Beide Systeme erfüllen ihren Zweck: Sie verhindern wirkungsvoll, dass der Schuh von selbst aufgeht und halten die Schnürung unter einer konstant angenehmen Spannung. Beide Systeme scheinen sich nicht sonderlich abzunutzen, eventuell halten sie länger als ein “Schuhleben” lang – das wäre auch durchaus wünschenswert, denn sie sind nicht eben preiswert zu nennen.

Für mich wiegen die Vorteile aber den relativ hohen Preis auf. Und ich werde sicherlich auch weiterhin zumindest einen Teil meiner Trainingskilometer in elastischen Schnürsystemen laufen. Dabei sind für mich die Systeme von YANKZ und XENTEX in etwa gleichwertig – wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich XTENEX vorziehen, denn es wirkt sicherer und solider.

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8 Kommentare zu „Langzeittest: Nie wieder Schuhe schnüren!“

  1. Aus eigener Erfahrung kann ich dir auch die SPIRALIX (www.spiralix.de) empfehlen!

  2. Jöörg sagt:

    Bei Yankz habe ich bei steilen Bergabpassagen etwas Probleme, da die elastischen Bänder dem Druck nachgeben und ich vorn anstoße. Passiert nur selten, war aber für mich der Grund die normalen Bänder drin zu lassen.

    Jörg

  3. Hannes sagt:

    Ich hatte zwar noch nie große Probleme mit den Schnürsenkeln, aber diese Systeme klingen vielversprechend. Bleibt nur der hohe Preis. 10 Euro klingt zwar zunächst nicht viel, aber wenn man das bei jedem paar Schuhe (die gleichzeitig genutzt werden) nötig ist, kommt da natürlich einiges zusammen …

    • Michaela sagt:

      Aber der Preis lohnt sich. Schließlich hat man sich sowieso nicht das kostengünstige Hobby ausgesucht und die Schnürsenkel lohnen sich wirklich für den Preis!

  4. Stefan sagt:

    Kann die Yankz uneingeschänkt empfehlen. Seitdem ich von normalen Bändern gewechselt bin, habe ich vielmer Gefühl zum Schuh (schnüre die Schuhe lockerer als sonst – können ja nicht aufgehen. In der Zwischenzeit habe ich sämtliche Laufschuhe und Sneaker mit den Yankz ausgestattet – habe irgendwann mal ein Angebot auf eBay erwischt,. Xentek kenen ich nicht.

  5. Mario sagt:

    Ich selber habe leider schlechte Erfahrungen mit den Yankz. Ich habe realtiv große Füsse und laufe daher mit Größe 48.5, dafür sind die Yankz einfach zu klein.

  6. Finky sagt:

    Hallo, ich habe die Schuhe lieber fester am Fuss. Ist dies bei den Yanks auch der Fall? Ich möchte ja schlieslich laufen und nicht “schwimmen” :)

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  1. [...] die beiden letztgenannten Systeme hat ja Lars schon einen tollen, ausführlichen Praxistest [...]

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