Habe ich nicht erst vor ein paar Tagen von den Vorzügen eines Lauftagebuchs geschwärmt? Gerade lasse ich meinen Blick über ein paar Zahlen streifen, und ich muss einmal mehr erkennen: Zu viel Information schadet nur!
Gestern Abend machte mir mein Körper ziemlich unmissverständlich klar, dass nach dem langen Lauf vom Vortag an Training noch nicht wieder zu denken sei. Die Sehnsucht nach Ruhe besiegte sogar den ansonsten eher unbändigen Willen, den Trainingsplan einzuhalten. Und natürlich verwandelte der innere Schweinehund diese Steilvorlage gerne und schlug einen Fernsehabend auf dem Sofa vor. Der Körper nahm die Trainingspause dankbar an, aber gleich nach dem Aufstehen meldet sich das schlechte Gewissen: “Du fauler Sack”, sagt es, “hast eine wichtige Trainingseinheit sausen lassen! Das wird sich rächen, spätestens beim nächsten Wettkampf!”
Nächster Wettkampf? Hektisch blättere ich in meinem Kalender, und muss das gar nicht all zu lange tun: In knapp fünf Wochen will ich beim Berliner Halbmarathon mitlaufen, weil ich in der Woche davor ohnehin in der Nähe der Hauptstadt bin. Im letzten Jahr war ich mit meinem ersten Wettkampf, etwa um die gleiche Zeit, recht zufrieden. Also liegt es doch nahe, meinen aktuellen Trainingszustand mit dem vor einem Jahr zu vergleichen.
Hätte ich es besser nicht getan! Knapp 30 Kilometer weniger als im Vergleichszeitraum stehen zu Buche, was noch kein Problem wäre, wenn ich nicht im letzten Jahr knapp acht Sekunden pro Kilometer schneller unterwegs gewesen wäre. In einem Wettkampf hätte mein 2008er-Ich meinem 2009er-Ich schon mehr als 50 Minuten abgenommen! Das entspricht so gar nicht meinen Vorstellungen, denn eigentlich möchte ich mich ja von Jahr zu Jahr steigern, mindestens das Niveau halten, aber mich doch nicht zurückentwickeln.
“Hab’ ich doch gesagt!”, macht sich das schlechte Gewissen wichtig, “Du musst härter trainieren!”. “Ach was”, kontert der innere Schweinehund, “was soll denn diese Quälerei. Vergiss den Wettkampf und vergiss das Training – auf der Couch ist’s doch auch schön.”
Der Läufer am Scheideweg. Härter trainieren oder resignieren? Die Zeit wird die Antwort geben…
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