ich hab ganz konsequent
den ganzen Tag verpennt
jetzt brauch ich sehr viel Ruhe
für Dinge die
ich heut nicht tue
Eine kleine, begabte “Chansonnière” hat vor ein paar Jahren, vermutlich ohne sich dessen bewusst zu sein, ein Lied für uns Läufer gesungen. Vielleicht läuft Annett Louisan ja auch, wer weiß. Jedenfalls beschreibt “die trägheit” ziemlich exakt den Ruhetag eines Läufers.
Wenn es sich der Läufer oder die Läuferin nämlich am einzigen arbeits- und trainingsfreien Tag in der Woche auf dem Sofa bequem macht, wenn er oder sie sich weigert, zu bügeln, einzukaufen, zu kochen, den Müll herunter zu bringen, zu putzen, zu waschen oder was auch immer zu tun, dann hat das nichts mit Faulheit zu tun. Erholungsphasen sind nämlich genau so wichtig wie das Training selbst – praktisch also Bestandteil des Trainings. Und ihr Training nehmen Läuferinnen und Läufer eben ernst…
ich fang ganz spontan
überhaupt nichts an
das zieh ich eisern durch
konzentriert und ruhig
bis ich drüber einschlaf
Die Experten scheinen sich im Wesentlichen einig darüber zu sein, was man am Ruhetag machen darf und soll: nichts! Aber, liebe Couch Potatoes, schlechte Nachrichten für Euch: Ausschließlich durch Erholung wird sich Euer Trainingszustand wahrscheinlich nicht verbessern…
Das Zauberwort heißt Superkompensation. Kurz und etwas flapsig ausgedrückt ermüdet jede Trainingseinheit den Körper mehr oder minder. Nun zeichnet sich unser Körper dadurch aus, dass er regenerieren kann. Und da es den Körper nervt, dass er schlapp gemacht hat, versucht er nicht nur das Ausgangsniveau wieder herzustellen, sondern noch eine Schippe drauf zu legen, um besser auf die nächste Belastung vorbereitet zu sein. Dieser Trainingseffekt, eben die Superkompensation, setzt also nicht während der Belastung, sondern in der Ruhephase danach ein. Und die dauert je nach Intensität der Belastung und individueller Konstitution zwischen 24 und 72 Stunden.
ich mach heute blau
das mach ich ganz genau
ich bleib präzis hier liegen
das muß ich heut noch fertig kriegen
Erholungsphasen und Ruhetage sind also durchaus etwas, dass man ernst nehmen sollte. Leider gibt es noch einmal schlechte Nachrichten für Couch Potatoes: Folgt nicht irgendwo in der Superkompensationsphase ein neuer Trainingsreiz, baut der Körper die neu erworbene Muskelmasse wieder ab. Er degeneriert, und das eventuell sogar bis unter das Ausgangsniveau. Die Kunst besteht also darin, sich genau so lange der “Trägheit” hinzugeben, bis der Körper zusätzliche Reserven aufgebaut hat, und dann einen neuen Trainingsreiz zu setzen. Das ganze Prinzip lässt sich auch sehr schön grafisch veranschaulichen (Trainingsreize in rot, Erholungsphasen in grün).

ich mach heute frei
stör mich nicht dabei
das ist jetzt ziemlich dringend
wenn’s nicht gelingt
muß ich morgen noch mal ran
Also, liebe außenstehende Beobachter, der Schein trügt: Ich faulenze nicht, ich superkompensiere! Und ich habe es mir verdient…
Schlagworte: Erholung, Gesundheit, Laufen, Regeneration, Ruhetag, Superkompensation, Training, Trainingseffekt




Es ist eine wichtige Sache, Ruhetage einzuhalten und nicht alles immer durchzuziehen – sonst endet man irgendwann noch im Krankenhaus.
Auf die Idee, anderen zu sagen “Ich faulenze nicht, ich superkompensiere”, bin ich allerdings noch nicht gekommen
Tja, von Überlastung weißt Du ja heute ein Lied zu singen…
Ich faulenze nicht, ich superkompensiere – das wäre vielleicht auch ein schöner Spruch für’s nächste Laufshirt…
Heißt das, dass du in der Superkompensationsphase gar nichts machst? Ich habe meine Erfahrungen zu dem Thema heute wiedergegeben:
http://www.runningwilli.com/training/superkompensation-ueberkompensation/
Mich würde gerne interessieren was du dazu sagst, denn du bist ja sehr erfahren mit diesem Thema wie ich hier und in einem 2. Beitrag zum Thema Superkompensation gelesen habe.
Lg
RunningWilli