Seien wir ehrlich: Ausnahmslos jede Läuferin und jeder Läufer leidet unter einem mehr oder minder stark ausgeprägten Laufschuhfetischismus. Spätestens nach den ersten Kilometern im ersten dedizierten Laufschuh sind wir angefixt und können fortan an keinem Sportgeschäft mehr vorbeigehen, ohne ein neues Paar zumindest einmal anzuprobieren. Anders als im Leben außerhalb des Laufens ist der Laufschuhtick bei Männern meist ausgeprägter als bei Frauen. Wahrscheinlich ist die Technikgläubigkeit der Herren größer als die der Damen. Im Vergleich zu unseren Alltagsschuhen tragen wir unsere High-Tech-Laufbereifung zwar eher selten und kurz, dafür ist sie aber auch ganz anderen Belastungen ausgesetzt: Neben den enormen Kräften, die bei jedem Schritt auf die Sohle wirken, setzen Matsch, Regen, Schlamm, Schnee, Sonne, Staub und nicht zuletzt Fußschweiß dem Obermaterial ordentlich zu. Und das sieht man unseren Lieblingstretern auch an: Was einmal weiß war, wird mit der Zeit grau oder braun oder beides. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Geruch…
Die Frage, wie ein Laufschuh auszusehen hat, ob und wie er zu reinigen ist, wird unter Läufern mit fast schon religiösem Eifer diskutiert. Unbestritten ist, dass ein fabrikneuer Schuh, unter dessen Sohle praktisch noch das Preisschild klebt, ein wenig peinlich wirkt und seinen Träger zum Novizen stempelt, egal wie viele Kilometer sie oder er schon in den Beinen hat. Ein ganz klein wenig getragen darf ein Schuh also aussehen, vermeiden lässt sich das ohnehin nicht. Von “fast fabrikneu” reicht die Spanne der Philosophien dann aber bis hin zu “auf keinen Fall putzen”. Der Autor dieses Artikels gehört zu den Anhängern des letztgenannten Glaubens. Wozu sich die Mühe machen, das Sportgerät zu reinigen? Beim nächsten Lauf wird es doch entweder sowieso wieder eingesaut, oder der Regen spült den Staub des letzten Trainings von der Kunstfaser. Letztlich können Wasser und insbesondere Reinigungsmittel den teuersten Teilen unserer Ausrüstung doch nur schaden. Und jedes Staubkorn und jeder Schlammspritzer erzählt ein kleines Stückchen Laufgeschichte. Ein ins gepflegte Grau-Braun gelaufener ehemals weißer Schuh zeigt dem Beobachter: In mir steckt ein alter Haudegen. Und wenn wir die Schmutzschicht Patina nennen, klingt es doch auch gleich viel freundlicher.
Hat man sich – aus welchem Grund auch immer – dazu entschlossen, den geliebten Schuh von seiner Patina zu befreien, entbrennt eine neue Diskussion. Bürste und lauwarmes Wasser und sonst nichts, sagen die Einen. Die Anderen schwören auf die Reinigungswirkung der Waschmaschine. Eine wirklich klare Aussage ist zum Thema Laufschuhe und Waschmaschine nicht zu finden. Die meisten Hersteller raten davon ab. Das kann natürlich verschiedene Gründe haben: Entweder trauen sie ihren Modellen in der Tat den Ritt in der Waschtrommel nicht zu – oder sie möchten uns lieber neue Schuhe verkaufen, wenn unsere Lieblingstreter einmal schmutzig sind. Auf der anderen Seite schwören in diversen Foren erfahrene Läufer auf die maschinelle Reinigung, weil sie die Schuhe auch von feinem Staub befreit, den Wasser und Bürste allein nicht erwischen. Der ewige Anfänger will es jetzt genau wissen.
Meine Experimentierfreude reicht allerdings nicht weit genug, um meinem steinalten Miele-Monster ein aktuelles Paar Schuhe anzuvertrauen. Aber in meinem Schuhschrank liegt noch ein ebenfalls uraltes Paar asics Gel-MC Plus aus meinen Anfängertagen herum. Die haben ordentlich etwas abbekommen, wie das Vorher-Bild zeigt. Klar dürfte sein, dass hohe Temperaturen und aggressive Reinigungsmittel dem Dämpfungsmaterial und den Klebenähten nicht sonderlich gut tun dürften, und all zu heftiges Schleudern könnte den Schuhen auch schaden. Ansonsten kenne ich aber keine Gnade: Schuhe in die Waschtrommel, ein paar Tropfen Feinwaschmittel in die Kammer, Vollwaschprogramm, 30 Grad, ohne Endschleudern. Und los. Schon wenige Minuten später frage ich mich, ob das so eine gute Idee war: Die beiden Schuhe poltern in der Waschtrommel herum, dass ich befürchte, sie wird verbeult. Also die Musik etwas lauter aufgedreht und noch eine gute Stunde gewartet…
Auf den ersten Blick ist das Ergebnis enttäuschend: Ein wenig weißer und strahlender sind die beiden Schuhe geworden, aber so richtig überzeugt das Ergebnis nicht – speziell im dem Betrachter ja meist zugewandten Vorfußbereich. Der Fersenbereich sieht in der Tat annähernd neu aus. Der deutlichste Effekt ist beim Geruch zu spüren – die ehemaligen Stinkstiefel duften jetzt zart nach Lavendel. Ansonsten scheinen die Schuhe keinen Schaden genommen zu haben, eine erste und kurze An- und Gehprobe nach dem Trocknen deutet auch nicht auf irgendwelche Veränderungen hin. Die Waschmaschine scheint – trotz des ohrenbetäubenden Polterns – auch in Ordnung zu sein; ein nachfolgender Waschgang überzeugt mich vom ordnungsgemäßen Zustand des Geräts.
Fazit: Laufschuhe in der Waschmaschine zu reinigen bringt nicht viel. Das Risiko, den Schuh oder sogar die Maschine zu beschädigen, ist demgegenüber unverhältnismäßig hoch. Ich werde jedenfalls höchstens ausrangierte Laufschuhe in die Waschmaschine werfen, wenn ich sie nach ihrer Laufkarriere als “Freizeitschuh” endverwerten will.
Und wie haltet Ihr es mit der Reinigung Eurer Laufschuhe?
Schlagworte: Ausrüstung, Experiment, Laufen, Laufschuhe, Waschen, Waschmaschine






Ich persönlich steh auf den Schmutz. Oder ich bin nur zu faul – aber das glaube ich nicht. Danke für deinen Test!
naja, sagenwermal: das war noch kein wirklich aussagekräftiger Testlauf bei dir.
Hattest du denn sonst nix in der Trommel? Zum effektiven Waschen gehört die Reibung und woran sollen sich zwei alleine in der Trommel rumfliegende Schuhe reiben? Vermutlich werden die nichtmal gescheit vom ebenalls rumfliegenden Wasser getroffen.
Als eine völlig unerschrockene Laufschuh-Wäscherin empfehle ich: Trommel ganz normal locker befüllen. Zu Laufschuhen passen z. B. wunderbar Sofa- oder Picknickdecken, Jacken, Laufklamotten u. ä.
Fein- oder Sportklamottenwaschmittel rein, Sohle übrigens rausnehmen aus dem Schuh, lose zur Wäsche tun und dann alles zusammen bei 40° im Pflegeleicht-Waschgang, schleudern mit bis zu 800 Umdrehungen, durchwalken lassen. So rumpeln die Schuhe erstens nicht in der Trommel rum, zweitens siehste hinterher auch ein Waschergebnis und geschadet hat’s meinen Schuhen noch nie.
Übrigens gehöre ich zu den gar nicht mal seltenen weiblichen Exemplaren , denen Alltagsschuhe weitgehend wurscht sind und bei denen sich der Schutick ausschließlich auf die Laufschuhe beschränkt (dort aber dann umso heftiger zuschlägt). Nagut – bei Wanderschuhen könnte ich auch ab und zu schwach werden. Aber irgendwie ist da die Versuchung, sich bei jedem Betreten eines Outdoorladens ein neues Paar zuzulegen, leichter in den Griff zu bekommen als bei Laufschuhen.
So lange keine Brocken an den Tretern kleben ist doch alles in Ordnung….
In die Waschmaschine kämen sie höchstens wenn sie zum Laufen ausrangiert werden und ein zweites Leben als Radfahrschuh oder so beginnen dürfen.
Ach übrigens – falls du gerade Kopfschmerzen hast könnte dies da dran liegen: http://stefansnotizblog.blogspot.com/2009/05/off-topic-stockchenwurf.html
Hannes – Ich habe auch nichts gegen den Schmutz, bei mir gehört der irgendwie dazu und ich bin zu faul…
Lizzy – Danke für Deine Tipps! Ich lebe auf großem Fuß – ich war froh, dass ich die beiden alten Treter in die Trommel quetschen konnte. Sofa- oder Picknickdecken? Hallo? Ich bin heterosexueller Mann. So etwas besitze ich nicht…
Stefan – Brocken kann man doch abklopfen… Was das Stöckchen angeht: Nicht böse sein, aber so etwas ist nicht so mein Ding!
Ich halte auch nix vom Schuhe reinigen, sind ja eh beim nächsten Mal wieder dreckig.
Wer braucht denn saubere Schuhe beim laufen ? Ich jedenfalls nicht. Beim nächsten Regenlauf werden die Dreckklumpen aufgeweicht und weg gespült, fertig.
Salut
Mutig, mutig,
ich tendiere eher dazu meine Treter nach jedem Lauf ordentlich zu reinigen. Aber wie Du schon schreibst sieht das jeder ein bisschen anders.
Aber in die Waschmaschine könnte ich meine Lieblinge nicht stecken.
Zwischenstand: Die Laufschuhschmuddel führen mit 5:2 gegen die Laufschuputzer.
Ich bin noch beim ersten Einsauen.
Und ich freu mich drauf. Ha! Also ein klarer weiterer Punkt für die Schmuddelfraktion.
Also ich schmeiss meine Schuhe ganz sicher nicht in die Waschmaschine, wenn die nach dem Waldlauf wirklich dreckig sind, dann geh ich da einmal kurz mit dem Lappen drüber und das war’s.
Ich hab damit bisher sowohl gute als ausch schlechte Erfahrungen gemacht. Kommt halt immer auf das Material an aber die Waschmaschine ist bei mir immer nur die Notlösung.