Parkspaziergang bei Kaiserwetter

Münchner-Kindl-Lauf StartZur Zeit ist alles ganz einfach. Ich ziehe mir die Schuhe an und laufe – ganz selbstverständlich, ohne darüber nachzudenken. Motivationsprobleme sind aktuell kein Thema. Der Innere Schweinehund hat Sommerpause. Fast fühlt es sich so an, als ob nicht ich laufe, sondern als ob es mich läuft. Was immer “es” auch sein mag. Will ich eigentlich noch laufen? Oder muss ich es mittlerweile schon? Wenn das Wetter so herrlich ist wie heute, dann muss ich…

Und so nutze ich wie geplant die knapp fünf Kilometer Entfernung zum Start des Münchner-Kindl-Laufs zum lockeren Eintraben. Das ist auch neu. Fünf Kilometer kann man doch auch prima mit dem Auto oder zumindest mit dem Fahrrad zurücklegen. Als ich mich dem Start am Biergarten Hirschau nähere, kommen mir die ersten Teilnehmer der bereits beendeten Bambiniläufe entgegen – stolz und strahlend tragen sie ihre T-Shirts mit den Startnummern. Wie vermutet ist die Veranstaltung übersichtlich und recht familiär. Lange Schlangen gibt es nicht – nicht einmal vor den Toiletten. Ein klares Argument für kleine Volksläufe! Leider verpasse ich den Lederhos’n-und-Dirndl-Lauf und bekomme nur noch die Siegerehrung mit. Aber wie kann man denn bitte im Kleid 2:29 auf 700 Meter laufen? Das ist eine 3:33 auf den Kilometer. Frechheit – so schnell kann ich nicht einmal im Traum und allerteuerster Funktionsfaser rennen.

Zusammen mit nur gut 400 anderen Teilnehmern – darunter auch eine Hand voll Nordic Walker – begebe ich mich schließlich an den Start. Auch dort gibt es nicht das übliche Gedrängel und Geschiebe, angenehm ruhig und zivilisiert geht es zu. Und wer stellt sich in die erste Reihe? Na klar, meine ganz speziellen Freunde, die Walker. Oh Herr, lass’ Hirn regnen! Das ganze Läuferfeld muss sich also erst einmal an diesen Hirnamputierten vorbeischlängeln. Hat schon mal jemand einen wettkämpfenden Nordic Walker beim Start gesehen? Lebensgefährlich! Die fuchteln hektischer mit ihren Stöcken rum als ein Sushi-Koch mit seinen Messern. Furchterregend. Sehr Don Quijotesque, als ob sie gegen unsichtbare Windmühlen kämpfen. Es ist reines Glück, dass ich mich ohne schwere Verletzung an den Sportvortäuschern vorbeischieben kann. Und dann habe ich auch schon freie Bahn. Obwohl die Wege im Englischen Garten nicht all zu breit sind, verteilen sich 400 Menschen doch erstaunlich schnell. Überhaupt läuft es sich dort sehr angenehm. Die Bäume spenden kühlenden Schatten, die Strecke ist flach. Aber natürlich handelt es sich um eine öffentliche Grünanlage, die Strecke ist nur notdürftig abgesperrt, und so kommen uns immer wieder mal Spaziergänger, Fahrradfahrer oder andere Läufer entgegen. Ich sehe sogar eine Vierergruppe auf Skikes. Das sieht noch bescheuerter aus, als ich dachte. Und erfordert offensichtlich noch hektischeres Stockrudern als Walken.

Münchner-Kindl-Lauf ZielIch habe mir vorgenommen, einen negativen Split zu laufen, und gehe das Rennen deshalb sehr dosiert, um nicht zu sagen langsam an. Außerdem ist das Wetter zu schön, um sich Stress zu machen. Selbst als mich ein Papa mit Babyjogger überholt, bleibe ich gelassen. Zur Hälfte des Laufs liege ich auch etwa im Plan für eine Zeit unter 50 Minuten. In diesem Jahr bekomme ich das mit dem negativen Split aber einfach nicht hin. Der befürchtete Einbruch bleibt zwar aus, aber schneller werde ich auch nicht. Und so bleibe ich am Ende etwas über der 50. Aber ich hatte einen angenehmen Lauf im Park und bin deshalb nicht traurig. Der Spaß stand ohnehin von vorneherein im Vordergrund, und insofern bin ich auf meine Kosten gekommen. Mein Tempo habe ich übrigens perfekt dosiert: Im Ziel ergattere ich den letzten Pappbecher mit Wasser. Kleine Veranstaltungen haben eben auch Nachteile…

Das Radlermass im Biergarten verkneife ich mir angesichts der Mittagshitze und mache mich recht bald auf den Heimweg, wieder trabend. Drei der fünf Kilometer begleitet mich ein radelndes Paar mittleren Alters mit Hund, der offensichtlich unglücklich darüber ist, dass er im Fahrradanhänger sitzen muss – der arme Kerl jault, kläfft und bellt zum Herzerweichen. Ständig fahren die beiden entweder kurz vor oder kurz hinter mir her. Der Hund tut mir leid und ich grübele über einer Rettungsstrategie, aber schließlich muss ich gen Heimat abbiegen und lasse das Gejaule hinter mir.

Knapp 20 Kilometer und ein ganz entspannter Wettkampf stehen am Ende des Tags auf meinem Konto. Zufrieden streife ich mir die Kompressionsstrümpfe zum zweiten Test über.

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3 Kommentare zu „Parkspaziergang bei Kaiserwetter“

  1. Hannes sagt:

    Einfach ganz entspannt einen Wettkampf laufen, das hat etwas! Wobei man von Entspannung eigentlich nicht reden kann, wenn ich mir den Absatz über die Walker durchlese. Zumindest klappte der Rest ganz gut, auch wenn die Zeit nicht so war, wie gewünscht.

  2. Torsten sagt:

    Hast du mal den Rock gehoben und nachgesehen ob die keine Benzingetriebenen-Beschleuningungs-Orthesen drunter hatte !?

  3. Peter sagt:

    :) eine kleines mini-moped würde schon ausreichen.

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