Poesiealbum 2.0

Die Sache mit den Stöckchen

StöckchenNachdem mich Stefan schon vor über einer Woche mit meinem ersten Stöckchen beworfen hat – und ich unhöflich genug war, es nicht aufzufangen –, möchte ich über die Sache mit den Stöckchen mal ein paar Worte verlieren. Grundsätzlich freue ich mich – wie jeder andere Blogger auch – über jeden Link auf einer anderen Seite. Es war unter anderem die Idee der Hyperlinks, die das World Wide Web und damit das Internet zu dem gemacht hat, was es heute ist. Mir persönlich sind PageRank und Suchmaschinenplatzierung auch ziemlich egal, für mich gibt es – von wenigen Ausnahmen wie illegalen, pornografischen und radikalen Inhalten einmal abgesehen – keine gute oder schlechte “Nachbarschaft” im Netz. Und ich verweise gerne und oft auf andere Seiten.

Jeder Blogger ist stolz auf sein Blog, und die meisten auch völlig zu Recht. Erfolgreiche Blogs zeichnen sich durch die Spezialisierung auf ein Thema und vom Autor geschaffenen Inhalt aus. Irgendeinen halbgaren Mist im Internet zusammenzuklauen ist weder Kunst noch Leistung – einigermaßen regelmäßig interessante Artikel selbst zu verfassen dagegen schon. Sicher nimmt man gerne Anregungen von seinen Lesern auf, und letztlich unterscheidet diese Interaktion das Blog ja auch vom Tagebuch. Aber auf eine Bitte der Art “Schreib’ doch mal was über Dein heutiges Mittagessen” würden die meisten Blogger wohl mit einem knappen “Nein” antworten – wenn es sich nicht gerade um ein Koch-Blog handelt. Warum sollte das anders sein, wenn man diese Frage in einem Katalog mit 19 oder mehr gleichartigen Fragen versteckt und das Ganze dann Stöckchen nennt?

Laufen die Mädchen heute eigentlich noch mit diesen Büchlein herum, in denen dann alle Freunde so spannende Fragen wie “Lieblingsessen?” und “Lieblingsgetränk?” beantworten dürfen? Zu meiner Schulzeit war das so, und meistens fand ich die Fragen echt doof – außer, die Fragenstellerin war wirklich süß. Vor meiner Zeit gab es noch die Poesiealben, aber meine Generation war schon zu pomadig für die Dichtkunst geworden und beschränkte sich gern auf die Beantwortung vorgegebener Fragen. Stöckchen sind also nichts weiter als die Poesiealben des 21. Jahrhunderts: Poesiealbum 2.0 sozusagen. Man wird es nicht mehr nachvollziehen können, aber ich bin mir sicher, dass das erste Stöckchen von einer zwölfjährigen Bloggerin mit gewaltiger Zahnspange geworfen wurde, und zwar auf ihren ebenfalls bloggenden Schwarm, der sie im echten Leben noch nie bewusst zur Kenntnis genommen hatte.

Kurz gefasst stören mich also zwei Dinge an Stöckchen: Erstens der zu 99 % meist völlig triviale und zu 98 % immer gleiche Inhalt, der in 97 % aller Fälle so gar nicht zum Inhalt eines Blogs passen will. Und Zweitens die Übergriffigkeit, mit der mir diese Trivialitäten aufgedrängt werden. Vielleicht habe ich als Läufer auch ein grundsätzliches Problem mit dem Begriff “Stöckchen” – der erinnert mich einfach zu sehr an Nordic Walking. Es wird also Zeit für ein themenspezifisches Stöckchen, das sich gut auf Läufer- und Lauf-Blogs macht.

Das Läuferstöckchen

Die Regeln
  • Das Läuferstöckchen darf auf keinen Fall geworfen werden. Jeder Blogger darf es aber in seinem Blog liegen lassen, wo es andere Blogger aufheben können.
  • In der ursprünglichen Form basiert das Stöckchen auf dem Fragebogen aus von kmspiel.de. Wer eine Frage nicht beantworten möchte, lässt sie einfach unbeantwortet stehen (bitte nicht streichen). Jeder, der das Stöckchen aufhebt, kann beliebig viele neue Fragen hinzunehmen, sofern sie etwas mit dem Laufen zu tun haben.
Die Fragen
  1. Gibt es einen Sportler der Dir imponiert? Wer ist es und warum imponiert er oder sie Dir?
  2. Hast Du eine Lieblingslaufstrecke? Wo läufst oder trainierst Du am liebsten?
  3. Hast Du einen Lieblingswettkampf? Wenn ja, welcher ist es?
  4. Beschreibe Dein schönstes oder bestes Lauferlebnis.
  5. Beschreibe Dein schlimmstes oder schlechtestes Lauferlebnis.
  6. Hättest Du beim Start in Dein Läuferleben rückblickend gerne etwas anders gemacht? Wenn ja, was?
  7. Warum hast Du mit dem Laufen begonnen?
  8. Was war Dein größter Erfolg?
  9. Wie lautet Dein bester Tipp für andere Läufer?
  10. Hast Du einen Lieblingsspruch oder ein Lieblingszitat zum Thema Laufen? Wie lautet er oder es?
  11. Wenn Du Musik beim Laufen hörst, welche ist es?
  12. Mit wem würdest Du gerne mal eine Runde laufen?
  13. Auf welchen Teil Deiner Laufausrüstung kannst Du auf keinen Fall verzichten?
  14. Hat das Laufen etwas in Deinem Leben verändert? Welche Veränderung war die größte für Dich?
  15. Wie beantwortest Du die Frage “Ist das nicht langweilig?”

Meine Antworten

Es ziemt sich wohl, dass der Stöckchenliegenlasser seine eigenen Fragen zuerst beantwortet:

  1. Gibt es einen Sportler der Dir imponiert? Wer ist es und warum imponiert er oder sie Dir?
    Das wechselt immer mal wieder, und zu viele Sportler, die mir einmal imponiert haben, wurden als unsaubere Athleten enttarnt. Abgesehen davon, dass mir jeder imponiert, der sich über 42,195 Kilometer oder mehr ins Ziel schleppt, bewundere ich zur Zeit Haile Gebreselassie – der Mann läuft mit mit einem ansteckenden Lächeln.
  2. Hast Du eine Lieblingslaufstrecke? Wo läufst oder trainierst Du am liebsten?
    Ich erkunde gerne neue Strecken und laufe oft spontan in irgendeine Richtung, insofern bin ich nicht auf bestimmte Strecken festgelegt. Auf jeden Fall brauche ich Bäume und am besten auch Gewässer. Und wenn ich einen Strand in der Nähe hätte, wäre dort sicher meine Lieblingsstrecke.
  3. Hast Du einen Lieblingswettkampf? Wenn ja, welcher ist es?
    So viele Wettkämpfe habe ich noch nicht unter den Schuhen, zur Zeit ist es der Berliner Halbmarathon, wegen der flachen und abwechslungsreichen Streckenführung.
  4. Beschreibe Dein schönstes oder bestes Lauferlebnis.
    Der Lauf am Tag nach meinem ersten Wettkampf. Der war so entspannt, gleichmäßig und ruhig.
  5. Beschreibe Dein schlimmstes oder schlechtestes Lauferlebnis.
    Zehn Kilometer in schlechten Schuhen und mit beginnender Plantarfasziitis. Anschließend drei Monate Trainingspause.
  6. Hättest Du beim Start in Dein Läuferleben rückblickend gerne etwas anders gemacht? Wenn ja, was?
    Rückblickend hätte ich mir gleich zu Beginn einen Lauftreff suchen sollen, um zumindest einmal die Woche in Gesellschaft zu laufen.
  7. Warum hast Du mit dem Laufen begonnen?
    Das ist kein Geheimnis: Weil ich meiner Körperfülle Herr werden wollte.
  8. Was war Dein größter Erfolg?
    Nach mehreren langen Verletzungspausen immer wieder den Weg ins Läuferleben zurück gefunden zu haben. Und die Nikotinsucht habe ich auch besiegt!
  9. Wie lautet Dein bester Tipp für andere Läufer?
    Langsaaam!
  10. Hast Du einen Lieblingsspruch oder ein Lieblingszitat zum Thema Laufen? Wie lautet er oder es?
    ”Qualität kommt von Qual.” (Achim Achilles)
  11. Wenn Du Musik beim Laufen hörst, welche ist es?
    Ich laufe seit vielen Jahren ohne Musik im Ohr und kann das nur weiterempfehlen!
  12. Mit wem würdest Du gerne mal eine Runde laufen?
    Mit Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier – beim Laufen kann man nicht lügen.
  13. Auf welchen Teil Deiner Laufausrüstung kannst Du auf keinen Fall verzichten?
    Die Kopfbedeckung – noch vor den Laufschuhen.
  14. Hat das Laufen etwas in Deinem Leben verändert? Welche Veränderung war die größte für Dich?
    Schwer zu beantworten, man weiß ja nicht, wie es ohne gelaufen wäre. Aber gesünder und leistungsfähiger als während meiner Lichtläuferzeit fühle ich mich auf jeden Fall.
  15. Wie beantwortest Du die Frage “Ist das nicht langweilig?”
    Kopf hoch, Augen auf, Stöpsel aus dem Ohr – dann ist es nie langweilig. Anstrengend vielleicht, aber nicht langweilig.

So, und jetzt bin ich gespannt, ob jemand das Stöckchen aufhebt.

Bildnachweis: Das Bild basiert auf dem Bild Stick.agr.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist ArnoldReinhold.

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13 Kommentare zu „Poesiealbum 2.0“

  1. Hannes sagt:

    Lars, mir gefallen deine Worte zu den Stöckchen. Suchmaschinenoptimierung finde ich zwar nicht unwichtig – aber doch hauptsächlich, um die “echte” Leserschaft zu finden. Diejenigen, die regelmäßig bei einem sind und den Blog zu dem machen, was er ist. Der reine Traffic und die Besucherzahlen durch Suchmaschinen polieren zwar vielleicht das Ego, machen den Blog aber nicht besser.

    Nach den anderen Absätzen dachte ich dann allerdings, du würdest alle “üblichen” Stöckchen und ihre “Nutzer” ziemlich stark verurteilen – da traute ich kaum meinen Augen, als danach das “Läuferstöckchen” folgte. Das ist dir aber sehr gelungen! Besonders die Beantwortung deiner letzten Frage gefällt mir unheimlich gut. Wie oft wurde ich das nur schon gefragt …

  2. Eva sagt:

    Da muß ich nu aber Hannes zustimmen. Zu Begin des Artikels dachte ich, es käme ein…generelles Verdammen. Aber nö, Lars bastelt es einfach zu etwas, das (zu) ihm paßt. Sehr schön! :-)

    zu 4.: Das ging mir gestern Morgen auch so! Ich lief wie auf Wolken an dem Morgen. hachja

  3. Stefan sagt:

    Lars, ich selbst bin ja auch nicht soooo der Freund von virtuellen Poesiealben und habe das Stöckchen nur aufgenommen und weitergeworfen, weil ich den Christian – der mich beworfen hat – persönlich kenne. Klar; die Fragen sind oft belanglos. Trotzdem haben sie zumindest einen Vorteil: der Leser hat die Chance, den Menschen, der hinter dem Blog steht und schreibt, etwas besser kennenzulernen.

    Das Läuferstöckchen finde ich übrigens interessant und gut gemacht.
    Mal sehen – vielleicht bücke ich mich mal danach…

  4. Kai sagt:

    Ich schließe mich Hannes an was dein Statement zum Thema Stöckchen etc. angeht. Grundsätzlich sollte das Stöckchenthema immer zum Blogthema passen. Da das in deinem Fall hier so war, hab ich ihn aufgehoben…

    Schönen Feiertag noch
    Gruß
    Kai

  5. Hannes – Das ist schon richtig – von den “üblichen” Stöckchen halte ich eher wenig, die Meinung sei mir unbenommen. Das hat aber mit “verurteilen” nichts zu tun. Da soll jeder auf seine Facon selig werden.

    Eva – “Verdammen” ist ja noch böser als “verurteilen”. Können wir uns auf “nicht mögen” einigen?

    Stefan – Das war auch keineswegs als Angriff gegen Dich gemeint. Ich dachte, Du freust Dich über den Trackback ;-)

    Kai – Danke für’s Aufheben ;-)

  6. Christian sagt:

    Ja, es gibt diese Büchlein noch! Heute heißen sie “Freundebuch” und auch manche Jungs haben so etwas.

  7. Eva sagt:

    Ok, so “böse” war der Ausdruck auch gar nicht gemeint. Also: nicht mögen. :-D

  8. Stefan sagt:

    Lars, ich hab es auch nicht als Angriff aufgefasst.
    Alles ist gut… ;-)

  9. Chris sagt:

    Ich bin mit dir voll einverstanden und fand es toll, dass du so offen darüber schreibst. Und dann ist mir in den Sinn gekommen, dass ich auch noch ein Stöckchen aufheben sollte. Hatte es ganz vergessen – oder verdrängt.

    Du hast trotzdem das Stöckchen aufgehoben. Warum soll ich es denn nicht auch? Auch wenn ich Schneeballsystem meide. Aber man kann die Regeln ja abändern….

Trackbacks/Pingbacks

  1. Läuferstöckchen…

    Jaja, von mir wisst ihr es ja, ich habe nichts gegen Stöckchen. Das aktuelle Stöckchen von Lars ist sogar eines, welches der laufenden Blogosphäre eher gefallen dürfte: Ein Läuferstöckchen zum Aufheben. Und dieses Mal geht es nicht direkt um etwa…

  2. [...] 31. Mai 2009 | Von: Kai | Kategorie: Aktionen Habe auf Hannes Seite von Lars Läuferstöckchen gelesen und es aufgehoben, weil das Thema passt. Lediglich der Name “Stöckchen” ist [...]

  3. Läuferstöckchen…

    An langen Wochenenden habe ich Zeit, ziellos im Netz herum zu klicken. Dabei bin ich auch auf den Blog Semper Tiro von Kai gestossen, und darin auf ein Läuferstöckchen. Nein, es geht nicht um die vielfach unbeliebten Spazierstöcke aus Kohlefasermate…

  4. [...] Lars hat das wie folgt beschrieben: Die meisten bloggenden Läufer absolvieren ohnehin fast täglich einen Blogathlon – erst wird gelaufen, dann wird gebloggt, zum Beispiel über den vorangegangen Lauf. Wie wäre es nun, wenn wir versuchen, auf diese Art einen Staffelstab – mehr dazu weiter unten – von Nord nach Süd, von Süd nach Nord, von West nach Ost oder von Ost nach West kreuz und quer durch die Republik zu tragen? Zum Beispiel könnte sich ein Startläufer, sagen wir mal in München, mit dem Staffelholz auf den Weg machen und zum nächsten Teilnehmer laufen. Die beiden machen ein Foto bei der Übergabe des Stabs, und nach seiner Rückkehr schreibt der Startläufer einen Beitrag in seinem Blog und veröffentlicht das Bild. Unterdessen macht sich der zweite Läufer auf den Weg zum dritten, und so weiter. Jeder einzelne Läufer überbrückt also die Strecke von seinem Wohnort bis zum nächsten Teilnehmer – aufwändige Anreisen entfallen damit. Irgendwann kommt der Staffelstab dann zum Beispiel in Kiel an – quasi als real existierendes Stöckchen. [...]

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