Ein Baum für jeden Blogger

Es gibt Dinge, die kann ich mit meinem bescheidenen Horizont nicht nachvollziehen. Warum fahren zum Beispiel Menschen kilometerweit mit dem Auto, um ein paar Cent zu sparen. Selbst wenn ein Kraftfahrzeug nur sparsame fünf Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbraucht, und der Liter Benzin dem Autofahrer für einen läppischen Euro hinterhergeworfen wird, kostet jeder gefahrene Kilometer schon satte fünf Cent oder 0,05 Euro. Das ist zum einen schon sehr vorteilhaft für das Autofahren gerechnet, zum anderen sind andere nutzungsabhängige Kosten darin noch gar nicht berücksichtigt. Und dass auf Kurzstrecken überproportional viel Kraftstoff verbraucht wird, lassen wir auch einmal außer acht. Ein Entfernungskilometer – also jeder hin und zurück gefahrene Kilometer – kostet also mindestens 0,10 Euro, eher mehr. Wenn nun ein Autofahrer fünf Kilometer bis ins Nachbardorf fährt, weil dort das Benzin einen Cent billiger ist, und dort 50 Liter tankt, dann hat er oder sie also im Endeffekt nichts gespart, sondern eher noch draufgelegt und die Umwelt unnötig belastet. Anders ausgedrückt: Wenn man zum Einkaufen oder Tanken Umwege in Kauf nimmt, muss man für jeden Entfernungskilometer deutlich mehr als 0,10 Euro sparen, damit es sich am Ende lohnt.

Ich persönlich interessiere mich deshalb nicht sonderlich für Sonderangebote. Und da ich es unglaublich lästig finde, mit Zeug, das ich nicht gewollt habe, zum Papiercontainer laufen zu müssen, klebt auf meinem Briefkasten ein deutlich sicht- und lesbarer Aufkleber: “Stop! Bitte keine Werbung und kostenlose Zeitungen einwerfen!” Im Vergleich zu diesem Offline-Spam ist unser tägliches Online-Spamaufkommen zwar deutlich höher, dafür aber auch mit einem Mausklick entsorgt. Der Aufkleber erfüllt seinen Zweck, ich finde nur noch selten unaufgefordert eingeworfenes Zeug in meiner real existierenden Mailbox. Das hinterlassen wahrscheinlich die beiden pubertierenden Prospektausträger dort, deren Dialog ich kürzlich mit anhören durfte: “Da steht ‘Keine Werbung’!”, sagt der lange Dünne mit dem Akneproblem, als käme ihm ein solcher Spruch zum ersten mal unter die Augen. Sein Partner, kleiner, rundlicher, mit Bartflaum, studiert das Deckblatt des Prospekts. “Hier steht ‘Produktinformation’.”, stellt er fest, und lässt das Heftchen durch den Briefschlitz gleiten.

Was mir bisher nicht bewusst war: Mein Offline-Spam-Filter schont die Umwelt. Denn, so rechnet die Aktion “Mach’s grün!” mir einigermaßen überzeugend vor, alle sieben Jahre wird ein ausgewachsener Baum nur für die Werbeprospekte eines deutschen Briefkastens gefällt. Jährlich werden demnach 2,7 Millionen Bäume für die Werbeprospekte aller Deutschen Haushalte abgeholzt. Sicher, mein persönlicher Verzicht rettet nicht einen einzigen Baum, aber wenn durch die genannte Aktion mehr Menschen auf Werbeprospekte verzichten, dann bringt es möglicherweise wirklich etwas. Und so möchte “Mach’s grün!” eine Million Aufkleber auf einer Million Briefkästen anbringen, um eine Million Bäume zu retten. Wer die Aktion unterstützen möchte, kann die Sticker kostenlos und portofrei bestellen oder gleich selbst ausdrucken. Sicher, die Aktion ist ein tiefer, wenngleich charmanter Griff in die Marketingtrickkiste, um das Portal kaufDA.de zu bewerben. Aber wenn irgendwann der Werbeverzicht tatsächlich dazu führt, dass weniger Papier produziert werden muss, dann hat das Mittel den Zweck geheiligt.

Noch spannender als die Aufkleber-Aktion finde ich die Aktion “Mein Blog ist CO2-neutral!”. Ich halte schon seit längerer Zeit Ausschau nach einem CO2-neutralen Hoster, aber da ein Providerwechsel auch immer gewisse Risiken in sich birgt, habe ich bisher von einem Wechsel abgesehen. Never change a running system! Was ein Blog mit CO2 zu tun hat? Damit Du diese Seite lesen kannst, müssen etliche Server und deren Kühlsysteme mit Strom versorgt werden – Studien zufolge werden durch einen einzigen Seitenaufruf ca. 0,02 g CO2 freigesetzt. Dieses Blog verursacht demnach etwa 1,5 kg CO2 pro Jahr. Das klingt wieder nicht viel, aber gerade in diesem Bereich macht Kleinvieh auch Mist. Ich unterstütze nun die Aktion, indem ich diesen Artikel schreibe und eine Grafik im Blog einbinde. Dafür pflanzt kaufDA.de einen Baum, der dann irgendwann bis zu 10 kg CO2 pro Jahr absorbiert und damit meinen Blog neutralisiert. Eine schöne Idee, die ich gerne unterstütze. Mitmachen!

Erfahren habe ich von dieser Aktion übrigens über TICKnTALK. Bernd und MTBTier haben auch schon darüber berichtet.

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7 Kommentare zu „Ein Baum für jeden Blogger“

  1. Mach's grün sagt:

    Hallo,

    klasse, dass Du bei unserer “Mein Blog ist CO2-neutral”-Aktion mitmachst!

    Du kannst dich auch weiterhin auf der Mach’s grün-Seite über den aktuellen Stand der Aktion informieren. Wir werden nämlich sehr bald – unter anderem durch Deine Unterstützung – die nächsten Bäume pflanzen :)

    Freundliche Grüße aus Berlin,
    Vedrana vom Mach’s grün-Team

  2. Andy sagt:

    Klasse Aktion schön das du dabei bist!

  3. VLC sagt:

    Schöner Artikel!

  4. Stickma sagt:

    Ich habe auch schon seit Jahren so einen Aufkleber bei mir auf dem Briefkasten, nur leider habe ich das Gefühl das es bei mir nicht viel bringt, selbst als ich die Zeitungen angerufen habe mit der Bitte den Verteilern zu erklären dort nichts einzuschmeißen wo es doch auf dem Aufkleber draufsteht, hat nicht wirklich was gebracht.

Trackbacks/Pingbacks

  1. [...] neutralisiere ich diese Schuld im übertragenden Sinne durch einen Baum. Wieder ein Gute Idee, die der ewige Anfänger weitersagt. Natürlich steckt hinter dieser Idee eine clevere Image Kampagne für eine [...]

  2. [...] Entdeckt habe ich diese Aktion beim “ewigen Anfänger”, wurde aber auch direkt per Mail [...]

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