Obwohl ich passionierter Passivsportler bin und Mannschaftssportarten mag, kann ich mit der Deutschen liebsten Sportart – dem Fußball – eher wenig anfangen. Ich führe das auf ein frühkindliches Trauma zurück: Wann immer auf dem Schulhof oder in der Turnhalle Fußball gespielt wurde – und das war praktisch jeden Tag der Fall –, blieb ich, das dicke Kind mit den zwei linken Füßen, übrig, wenn Mannschaften gewählt wurden. Unter dem Augenrollen der Mitspieler musste mich schließlich ein Team aufnehmen, in dem ich als Torwart möglichst geringen Schaden anrichten sollte. Mein sozialer Status lag in dieser Zeit nur knapp über dem eines Mädchens – die dürften nämlich gar nicht erst mitspielen.
Schon sehr früh entwickelte ich deshalb die These von der Reziprozität von fußballerischem Talent und Intelligenz: Je besser der Fußballspieler, desto dümmer der Mensch. Oder mit den Worten eines Lehrers gesprochen: Der Herr gibt nur einmal. Langjährige Feldstudien haben die These eher bestätigt als widerlegt. Beispielsweise ist doch kaum ein Deutscher Fußballnationalspieler in der Lage, einen fehlerfreien Deutschen Satz zu sprechen – vom Lesen oder gar Schreiben ganz zu schweigen. Die bedrückend wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Lauf der Jahre musste ich meine ursprüngliche Annahme um die Reziprozität von Selbstwahrnehmung und Intelligenz erweitern: Je toller sich ein Fußballer selbst findet, desto dämlicher ist er. Denn während man den Bundesligakickern das Talent nicht absprechen kann, stolpern in den unteren Ligen etliche Großmäuler herum, die ihr mangelndes Können zu vertuschen versuchen, indem sie für Alles ihre Mitspieler verantwortlich machen.
Ich will nicht verhehlen, dass meine durchaus etwas einseitige Sichtweise möglicherweise durch eine gewisse Portion Neid begünstigt wird – dass Menschen mit einem Intelligenzquotienten knapp über dem einer Banane mitunter auf ein Jahreseinkommen von mehreren Millionen Euro kommen, will mir einfach nicht in den Kopf. Aber im Fußball gilt wie im Radsport: So lange Millionen von Menschen zuschauen möchten, werden Bälle, Räder und der Rubel weiter rollen. Im Grunde könnte ich damit auch mehr als gut leben – wenn ich nicht ab und an von Fußballern auf meiner Laufstrecke gedemütigt würde! Einige der Ballakrobaten kommen nämlich tatsächlich auf die Idee, dass es auch ein Leben außerhalb des Fußballfelds gibt und täuschen sportliche Betätigung im Wald vor.
Sie sind leicht zu erkennen: An den Füßen vorzugsweise Badelatschen oder Kickstiefel, jedenfalls keine Laufschuhe. Die stark ausgeprägten O-Beine stecken in ballonseidenen Shorts, die Platz für zwei Menschen bieten. Den tendenziell unterentwickelten Oberkörper ziert ein peinlich bedrucktes T-Shirt, wenn die käsige Hühnerbrust nicht gleich nackt zur Schau gestellt wird. Tätowierungen verzieren die Oberarme, die fettige Haarmähne wird durch ein Einweckgummi aus der Stirn gehalten. Vor Kraft in den Beinen kaum laufen könnend, erinnern sie stark an Shrek, den Oger – dumm und plump. Angeblich sind Hummeln eigentlich gar nicht im Stande, zu fliegen. Und doch tun sie es. Ähnlich verhält es sich mit den Fußballogern: Eigentlich sind die gar nicht im Stande, mehr als ein paar Meter laufend zurückzulegen – und doch tun sie es.
All das wäre völlig in Ordnung, wenn diese Laufhummeln in Adiletten mich nicht immer wieder überholten, und zwar in einem Tempo, dass mich jeden Versuch, dagegen zu halten, sofort vergessen lässt. Ich hoffe immer, diese Typen ein paar Meter weiter völlig erschöpft im Gebüsch liegen zu sehen – und werde immer wieder enttäuscht. Wenn Tempotraining mir nicht ohnehin schon läge, böten diese Kickamöben ausreichend Motivation: Ich muss schneller werden!
Bildnachweis: Das Bild basiert auf dem Bild Pallo_valmiina.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5 License. Der Urheber des Bildes ist Christopher Bruno.
Schlagworte: Fußball, Idioten, Kolumne, Laufen, Sport, Tempotraining, Trauma




Wenn es Dir hilft….
Ich habe ja eher die Vermutung, daß dieser Artikel wieder Zicken anlockt. Da freu ich mich drauf. händereib
na ja lieber Lauffreund,
das die meisten Fußballer den IQ haben wie Du unterstellst,
wird wohl nicht stimmen.
Es ist wohl wie in der realen Welt. Die Inteligenz gehört der schweigenden Mehrheit, aber die Dummen und Lauten machen die “Musik.”
Ich freue mich jedenfalls dass es heute wieder losgeht.
Da ich aber nicht bereit bin zusätzliches Geld für die Übertragungen zu bezahlen höre ich viel Spiele am Radio. Hier ein Tipp.
http://fussballradio.phonostar.de/
Lars, so ähnliche Tendenzen bezüglich des Verhältnisses Fussballer <-> Intelligenz habe ich auch schon festgestellt.
Wobei, wie du richtig sagst, nicht jeder Fussballer automatisch blöd sein MUSS. Genau so wenig wie bei Boxern und Bodybuildern, denen man das auch gerne unterstellt. Wobei ich glaube, dass auch da die Tendenz ähnlich ist wie bei den Fussballern.
Zum Glück gibt es ja auch viele Ausnahmen.
Ich wäre ja auch blöd, wenn ich was anderes sagen würde – schliesslich hab ich ja selbst mal Fussball gespielt…
Auch die Erfahrung mit den schnelleren Fussballern kann ich mit dir teilen.
An einer meiner Hauptlaufstrecken werden auch immer Fussballmannschaften um den See gehetzt. Und in der Regel sind die Herren dann auch schneller als ich.
Ich rede mir dann immer ein, dass die dann nach einer Runde fast zusammenbrechen und ich dafür noch Luft für mehr habe – das hilft!
Ich hörte mal die Theorie, dass der Verstand der Spieler abnimmt, je weiter man auf dem Feld nach vorne geht (Stürmer ganz vorne, Torwart ganz hinten)…
Achso, dass die Kerlchen so schnell sind, ist ja gar nicht so verwunderlich: 2-3 mal die Woche Training, 90 Minuten Spiel. Ständige Tempowechsel, häufige Sprints. Fußballer sind halt auch Läufer! Allerdings sind sie dafür gaaaaaanz oft verletzt!