Wenn man der internationalen Sammelstelle für mehr oder minder gesundes Halbwissen – im Volksmund auch Wikipedia genannt – Glauben schenken darf, betrug gestern um 23:18 Uhr die scheinbare geozentrische ekliptikale Länge der Sonne genau 180°. »Fragewort mit zwei Buchstaben: Hä?« Die Sonne durchschritt den Himmelsäquator von Norden nach Süden. »Erklär mir das bitte nochmal als wäre ich 4 Jahre alt!« Man nennt das auch Herbst-Tagundnachtgleiche, oder in gepflegtem Latein: Sekundar-Äquinoktium. »Ja nee, is klar!« Die Tage sind jetzt für ein halbes Jahr kürzer als die Nächte. »Krass!« Rein astronomisch betrachtet hat also der Herbst begonnen. »Juhu!« Du freust Dich auf den Herbst? »Nein, ich habe endlich verstanden, worum es geht…«
Für ziemlich genau sechs Monate wird jetzt die Südhalbkugel unseres Planeten dem Zentralgestirn zugewendet sein. Als Bewohner der nördlichen Hemisphäre darf man also getrost behaupten, dass die Sonne auf den Arsch der Welt scheint. Aber wie sagt der Rheinländer so treffend: Mer muss och jönne könne. Wir hatten unseren Sommer (leider mussten viele von uns an dem Tag arbeiten) – jetzt sind eben auch mal die anderen dran. Während sich also die Menschen auf der bisher dunklen Seite auf mehr Tageslicht freuen dürfen, wird es bei uns schon bald länger dunkel als hell sein. Die ansonsten völlig sinnfreie Sommerzeit hat für uns Läufer immerhin den Vorteil, dass wir in einer Übergangszeit zumindest noch bei Tageslicht loslaufen können, um dann in der Dämmerung zurückzukehren (oder umgekehrt). Aber in gut einem Monat, wenn die Uhren wieder zurück gestellt werden, kann zumindest der berufstätige Teil der Läuferschaft von werktäglichem Laufen bei Tageslicht nur träumen.
Die Idee, die Winter- bzw. Normalzeit durch eine Läuferzeit zu ersetzen, die Uhr also nicht zurück, sondern noch weitere zwei, drei Stunden vor zu stellen, dürfte nicht auf breite Zustimmung stoßen. Also bleibt Otto Normalläufer nichts anderes übrig, als am Wochenende Tageslicht zu tanken und sich unter der Woche mit der Dunkelheit zu arrangieren. Bei nicht wenigen Läufern, unter ihnen auch der Autor, nimmt über den Herbst die Motivation genau so schnell ab, wie die Tage kürzer werden. Jammern dürfen darüber freilich nur die Läufer, die den Sommer ohne größeres Murren ertragen haben. Wer sich über die Hitze beschwert hat, darf sich an den kurzen Tagen nicht stören. Nehmt das, Ihr Sommerhasser! Und zu allem Überfluss wird es langsam aber unaufhaltsam kälter und regnerischer.
Auch wenn der Herbst durchaus seine schönen Seiten hat – farbenfrohe Natur, charakteristischer Duft, Wiesn –, ist gerade jetzt die Gefahr besonders groß, in den Abgrund eines Motivationstiefs zu stürzen und erst irgendwann nach Weihnachten mit stattlichen Hüftringen aus dem läuferischen Dornröschenschlaf zu erwachen. Dank Kunstfasern, mit denen bis vor einigen Jahren ausschließlich Weltraumfahrzeuge und Bratpfannen beschichtet wurden, können wir uns inzwischen recht gut vor Kälte und Nässe schützen. Viele, viele Jahre nachdem ein vor Kälte zitternder, bis auf die Knochen nasser, in billigste Baumwolle gehüllter Rekrut seinen Unteroffizier ohne jede Überzeugung brüllen hörte, “Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung”, lässt sich die einstmals hohle Phrase auch praktisch umsetzen. So lange uns aber selbst die teuersten Laufklamotten nicht den Weg beleuchten, müssen wir uns an dieser Stelle anders behelfen. Wie so oft ist keine der Alternativen wirklich prickelnd – so dass einmal mehr die Wahl des geringsten Übels bleibt.
- Der Laternenanzünder
Wir könnten zum Beispiel entlang beleuchteter Wege laufen, also wie ein Laternenanzünder von Straßenlampe zu Straßenlampe. Wenn man aber nicht gerade in einer sehr wohlhabenden Gemeinde lebt, dürfte “beleuchtet” auch mit “viel befahren” gleichzusetzen sein. Es gibt wahrlich Schöneres, als in Autolärm und –abgasen zu laufen. Und selbst wenn Wege abseits der Hauptstraßen illuminiert sein sollten, wird sich das meist auf wenige Hundert Meter beschränken – und wer rennt schon gerne innerhalb einer halben Stunde 20 mal oder öfter die gleiche Strecke ab? - Der Kumpel
Es gibt Läufer, die kommen mit einer Stirnlampe nach alter Bergmannstradition gut zurecht. Obwohl moderne Stirnleuchten recht klein und leicht sind, stört viele Sportler das zusätzliche Gewicht auf dem Kopf. Und durch die unvermeidbaren Kopfbewegungen fällt auch die Ausleuchtung des Wegs oft etwas unruhig aus. - Der Nostalgiker
Fanden wir es als Kinder nicht spannend, mit der Taschenlampe durch den finsteren Wald zu schleichen? Warum also nicht auch als erwachsener Läufer mit der Handleuchte durchs Unterholz wetzen? Vermutlich, weil es ungewohnt ist, beim Laufen etwas in der Hand zu haben. Außerdem versaut man sich so möglicherweise den Laufstil. Haile Gebrselassie zum Beispiel rudert beim Laufen angeblich deshalb so stark mit dem rechten Arm, weil er als Kind immer seine Schultasche mit Rechts getragen hat. Einige Taschenlampen lassen sich auch an der Laufkleidung befestigen – dann aber ergibt sich wieder das Problem des tanzenden Lichtkegels. - Der Werwolf
Selbstverständlich kann man seine Trainingseinheiten auch auf Abende verlegen, an denen das Mondlicht zum Laufen ausreicht. Die Nächte, an denen es entsprechend gering bewölkt und der Erdtrabant ausreichend hell ist, sind allerdings rar.
Der Autor dieser Zeilen ist ein nostalgischer Werwolf: Ich meide im Winter wie im Sommer belebte Straßen, komme also eher selten in den Genuss von Straßenlaternen. Wenn man seine Wege grob kennt, reicht ein wenig fahles Licht, um die Stolpersteine zu erkennen. Für die ganz dunklen Ecken habe ich eine winzig kleine LED-Taschenlampe dabei, die in jede Tasche passt und praktisch nichts wiegt. Sicherheitsüberlegungen spielen für mich eigentlich keine Rolle – ich mache beim Laufen derart beunruhigende Geräusche, dass jeder üble Geselle Reißaus nehmen dürfte. Speziell Läuferinnen könnten allerdings anderer Meinung sein.
Natürlich interessiert mich Eure Meinung – wie haltet Ihr es mit dem Laufen an dunklen Abenden?
Schlagworte: Haile Gebrselassie, Herbst, Kolumne, Laufen, Licht, Motivation, Sonne, Stirnlampe, Taschenlampe, Winter




Laufen im Dunkeln mag ich gar nicht. Ich denke also, ich werde meine Läufe wieder in die frühen Morgenstunden verlegen, denn wenn es schon dunkel ist, dann will ich wenigstens (mehr oder weniger) alleine sein.
Ich bewundere Euch Morgenläufer ja. Wenn ich vor der Arbeit noch eine Stunde laufen will, muss ich ja mindestens 1,5 Stunden früher aufstehen. Wenn es hell ist, lasse ich mir das eventuell gefallen, aber im Winter wird es dann doch hart. Und intensivere oder längere Einheiten gehen so früh am Tag gar nicht. Aber gut, jeder hat so seinen Rhythmus.
Ich bin noch sehr gespannt, wie es bei mir diesen Winter “laufen” wird. Im letzten Jahr habe ich es zumeist geschafft, noch im hellen zu laufen, und ansonsten hatte ich in meinem Ort genügend beleuchtete Wege, auf denen ich völlig problemlos laufen konnte.
Hier ist es noch fraglich, inwiefern die Zeit in den hellen Stunden genügt, und wenn nicht, muss ich mich noch erkundigen, ob ich genügend helle Wege finde. Aber so eine Lampe kommt mir eigentlich nicht auf den Kopf, da versuche ich lieber alles, noch im Hellen zu laufen.
Wieder köstlich interpretiert. Danke!
Nachdem ich das ganze Jahr durchlaufe, muss ich in den kommenden Monaten dunkle Wege in Kauf nehmen. Das bedeutet, dass ich – wochentags – nur nach der Arbeit und zwangsläufig nur in der Dunkelheit unterwegs sein kann! Es geht mir dabei so wie dir, dass die Wege bekannt sind, zusätzliches Licht selten benötigt wird und ich ebenfalls eher werwolfartig unterwegs bin. Es gibt aber schon Passagen die extrem dunkel – oder wie so oft bei uns, nebelig – sind, dann nehme ich die Stirnlampe. Denn in diesem Fall geht es auch um die Verletzungsgefahr! Rutschig, Eis, Schnee und viele andere Gefahrenquellen, die du in der Finsternis nicht rechtzeitig erkennst!
Freitags bin ich dann früher zu Hause, da geht’s dann am Nachmittag in die Wildnis und am Sonntag steht dann – fast ganzjährig – ein längerer Lauf am Programm!
Es geht mir aber so wie den meisten, im Sommer bin ich doch eine Spur lieber unterwegs
Allen Abend-, Nacht, oder Sonstwie-Läufern alles Gute für die “dunklen Zeiten”, die ja auch ihren Reiz haben – Reinhard
Da bin ich auch mal noch gespannt, wie das sein wird. Von meinem bisherigen Empfinden würde ich vermuten, daß ich dann am liebsten meine Hausstrecke auf und ab laufe. Die liegt zwar größtenteils im Dunkeln, aber ich kenne jeden Stein und jeden Baum. Von Laterne zu Laterne…bah! Da kann ich auch gleich zuhause bleiben (m.E.). Allerdings beunruhigt meine bessere Hälfte der Gedanke, daß ich allein diese Strecken laufe. Ich werde einfach mal Deinen Trick testen und derart ekelhafte Laute von mir geben, daß sich nichts an mich rantraut, ja?
Für mich der blanke Horror!
Ich hasse das Laufen im Dunkeln. Im Notfall laufe ich ins Städtchen hinab und drehe dort meine Runden, ist aber suboptimal.
So bleibt mir nichts anderes übrig, als rechtzeitig den Abgang im Büro zu machen, direkt loszuwackeln und mal wieder tief ins “Stunden-Minus” zu rutschen….
Ich halte es auch so wie Huobaere: Freitags bin ich auch früher zu Hause, dann kann ich Samstags (sehr früh) und Sonntags bei voller Helligkeit laufen, sind schon drei Einheiten, die anderen beiden (oder mindestens eine) muss ich dann halt irgendwie unterbekommen.
Hast Du mal wieder super beschrieben!!
Zum Glück ist an den heimischen Seen ein Teil der Strecke beleuchtet, so dass man dort auch bei Dunkelheit laufen kann.
Wenn ich pünktlich aus dem Büro komme schaffe ich meistens 1 Seerunde in der Dämmerung und pendle danach auf dem beleuchteten Teil – das sind so ca. 2,5 km.
Da dies auf die Dauer aber langweilig werden könnte und ich eigentlich ungern durch beleuchtete Wohngebiete laufe werde ich mir für andere Strecken mal eine neue Stirnlampe zulegen.
Inzwischen gibt es ja welche, mit denen man ein Fussballstadion ausleuchten könnte.
Das Tragen einer Funzel am Kopf stört mich bisher auch nicht.
Mich würde es mehr stören wenn ich mich auf die Schnüss legen würde weil ich nichts sehe.
Ich bin ja in dieser Hinsicht ein Fachmann, was die morgendlichen Läufe mittels Stirnlampe betreffen. Diese habe ich aus Gründen meiner nachvollziehbaren Angst vor Werwölfen bereits ausserhalb der heimischen Wälder verlegt, und versuche entlang den vielbefahrenen Radwegen, parallel zur Landstrasse meine Trainings zu absolvieren.
Zudem bin ich bei Einbruch der Dunkelheit absolut blind. Dies bedeutet, dass mir gar nichts anderes übrig bleibt, als mit einer Stirnlampe zu Laufen. Man gewöhnt sich an alles.
Sogar an Intervalle Morgens kurz nach 5:00Uhr, bei absoluter Dunkelheit!
Ich laufe in den frühen Morgenstunden (Start meist so gegen 5:45 Uhr im Dunkeln), sodass es mit der Zeit heller wird und ich bisher noch keine Beleuchtung benötige. Mit der Zeitumstellung am 25.10. müßte es ja dann nochmal etwas heller werden, oder irre ich mich da!? Was ich definitiv nicht mache, ist mit Stirnlampe zu laufen. Lieber stolper ich mal, als mit der Funzel am Kopp rumzuwackeln. Wenn es mir zu ungemütlich (eher im Winter) wird, werde ich auch mal zum Weichei und verlege meine Trainingseinheit in den Keller aufs Laufband und schau mir nebenbei noch einen Film an. Prinzipiell finde ich den Herbst am schönsten zum Laufen. Das ist quasi meine Jahreszeit, da bin ich geboren und da fühl ich mich wohl. Es ist nicht zum warm und nicht zu kalt, einfach herrlich!
Ich habe da so meine Hausstrecke durch das kleine Städtchen mit den beleuchteten Wohngebieten. Für die ganz kurzen unbeleuchteten Wege habe ich ebenfalls wie Du eine kleine LED-Lampe dabei. Allerdings kann man in dieser Zeit sicherlich nicht von einem Durch-Die-Natur-Lauf sprechen. Ist aber manchmal sehr interessant, in die fremden Wohnungen und Häuser zu schauen