Siebenundzwanzig mal werden wir noch wach…

…heißa, dann ist Weihnachtstag!

ChristbaumkugelnDer atheistische Agnostiker in mir kann mit dem bevorstehenden Weihnachtsfest eher wenig anfangen. Ich fühle mich nicht wirklich berechtigt, ein Fest zu begehen, an dessen Grundlage ich nicht glaube. Der überarbeitete und unterbezahlte Arbeitnehmer in mir beschwert sich allerdings auch nicht über die beiden freien Tage. Sowohl der Gourmet als auch der Gourmand in mir freuen sich an den jahreszeitlichen Spezereien. Während sich der Ökonom und der Ökologe in mir über die unglaubliche Energieverschwendung durch die Weihnachtsbeleuchtung nur wundern können, freut sich der zugegebenermaßen recht kleine Romantiker in mir an ihrem Glanz – sofern sie geschmackvoll ist und nicht in grellen Farben und Epilepsie verursachenden Rhythmen blinkt, was den Ästheten in mir schlichtweg ärgert. Und selbstverständlich wird sich das recht große Kind in mir ein Leben lang über Geschenke freuen – und noch mehr, wenn sich Beschenkte über meine Präsente freuen. Was wiederum den konsumgeilen Kapitalisten in mir um diese Jahreszeit an den Rand des Kaufrauschs führt. Und das, obwohl der Philosoph in mir die Wandlung vom christlichen Hochamt über das Familienfest bis hin zu den Einzelhandelsfeiertagen weder gutheißen kann noch will.

Langer Schwanz, kurzer Hund: Weihnachten ist wahrscheinlich so weit entfernt vom ursprünglichen Gedanken wie kein anderes religiöses Fest, aber beschenkt werden und selbst schenken ist einfach schön – wer das Gegenteil behauptet, lügt mit großer Wahrscheinlichkeit. Aber dass etwas Freude macht, heißt nicht, dass es auch einfach ist – niemand weiß das besser als wir Läufer. Und so steht in diesen Tagen ein großer Teil der Weltbevölkerung vor der Frage: Was schenke ich ihm oder ihr? Wohl dem Ratlosen, der einen Läufer glücklich machen möchte – denn kaum jemand hat mehr Bedarf an irgendwelchem Schnickschnack als wir. Während man dem Ehemann zum Beispiel mit den berühmten oder eher berüchtigten SOS-Geschenken – Schlips, Oberhemd, Socken – zumindest ein gequältes Lächeln abringen kann, freut sich der Läufer ehrlich über STS-Geschenke: Shirt, Tights, Socken. Für alle, denen das zu wenig originell ist, folgt hier die – reichlich unvollständige – Liste mehr oder minder sinnvoller Geschenke für Läufer.

Der Läufer-Adventskalender

Besonders romantische Menschen überraschen ihre Liebsten gerne mit einem selbst gebastelten Adventskalender. Der ambitionierte Marathoni wird sich über folgende – allerdings nicht ganz preiswerte – Variante freuen. Man nehme: 24 Gel-Packs oder etwas ähnliches, ein großes Stück Pappe oder Holz, einen Tacker oder etwas Klebstoff, einen wasserfesten Filzstift und, sofern vorhanden, ein Lauf- oder Landschaftsfoto in Postergröße. Zunächst das Foto auf die Pappe oder die Platte kleben oder tackern. Dann die 24 Gelpacks mit dem Filzstift mit den Zahlen von 1 bis 24 beschriften. Und schließlich die beschrifteten Tütchen so auf die Unterlage kleben oder tackern, dass man sie ablösen kann, ohne eine mittlere Schweinerei zu veranstalten. Und schon kann der Athlet nach jedem vorweihnachtlichen Lauf frische Energie tanken.

Tipps für den Nikolaustag

Erfahrene Läufer werden dem Nikolaus möglichst viele Geschenke abzuluchsen versuchen, indem sie alle ihre Laufschuhe – und das sind mithin sehr viele – vor die Tür stellen. Echten Läufern macht man garantiert keine Freude damit, wenn man die Treter über Nacht reinigt – Dreck, Matsch und Staub sind Zeugen vieler gelaufener Kilometer und machen den Schuhbenutzer glücklich, nicht traurig. Zur Befüllung der schweißgetränkten und mitunter übelriechenden Sportgeräte sind unverpackte Lebensmittel – wie zum Beispiel Gebäck und Obst – natürlich denkbar ungeeignet. Denn erstens macht das Buttersäurearoma die Mandarinen nicht appetitlicher, und zweitens könnten Kekskrümel im Schuh den Sportler nachhaltig verärgern. Sehr gut geeignet sind dagegen geruchs- und geschmacksneutral verpackte Dinge wie etwa Nahrungsergänzungsmittel. Calcium, Eisen, Magnesium und Vitaminpräparate lassen die Augen des Athleten vor lauter Vorfreude auf die neue Bestzeit strahlen.

In der Vorweihnachtszeit

Gebäck gehört zur Vorweihnachtszeit wie der Glühwein zum Weihnachtsmarkt. Da aber allein der Anblick eines handelsüblichen Spekulatius die Energiebilanz schon mit gefühlten 1000 Kilokalorien belastet, schmähen viele Läufer die Kekse wie der Teufel das Weihwasser. Hier ist ein wenig Experimentierfreude gefragt – fett- und kohlenhydratarm sollte das ideale Läufergebäck sein, dafür möglichst eiweißreich und voller Spurenelemente. Warum also nicht einmal Calcium-Cracker, Eisen-Eclairs oder Magnesium-Makronen in den Backofen schieben? Lebkuchen auf Vollkorn-Nuss-Basis, Hefezopf auf Haferbasis und Stollen mit Fischfüllung bieten ein weites Betätigungsfeld. Und statt Glühwein bietet sich ein heißer Mineraldrink an, zum Beispiel ein schöner Basica- oder Frubiase-Punsch.

Geht immer

Wie bereits erwähnt haben die meisten Läufer einen niemals abreißenden Bedarf an Oberbekleidung. Laufshirt, Laufhose und Laufsocken sind zwar keine originellen, aber immer wieder gern gesehene Geschenke. Und sie bieten einen schönen Mehrwert: Mit ein wenig Glück versteht der Sportler den Hinweis und trennt sich von zwar lieb gewonnenen, aber trotzdem inzwischen schäbigen und vor allem stinkigen Klamotten. Aber bitte nicht beim Kaffeeröster oder Discounter kaufen – dieses Zeug leistet sich der Sportler ohnehin schon selbst. Und zum Fest der Feste sollte auch mal Markenware aus dem beratenden Fachhandel drin sein. Unter der Laufbekleidung findet sich sicher für jedes Geschenkbudget das passende Teil – von den Laufsocken für unter 10 Euro bis hin zur High-Tech-Softshell-Jacke ab geschmeidigen 300 Euro. Wer sich nicht entscheiden kann, schenkt eben den immer willkommenen Einkaufsgutschein. Und wo wir gerade bei den eher monetären Geschenken sind: Die Startgebühren für den nächsten Wettkampf kann man ebenso übernehmen wie einen Zuschuss zur nächsten Marathonreise. Und wer gerade im Lotto gewonnen hat und einmal sehen möchte, wie hoch ein Läufer aus dem Stand springen kann, schenkt die beste und neueste Pulsuhr!

Geht gar nicht

Die schönsten Geschenke sind zwar die selbst gemachten, für uns Läufer trifft das aber eher nicht zu. Der von Oma gestrickte Laufpullover dürfte ebenso wenig Verwendung finden wie die von der Schwester gehäkelten Laufsocken oder die schurwollene Pudelmütze. Abzuraten ist auch von individuell bedruckten Laufshirts mit unheimlich lustigen Sprüchen drauf. “Wo ich bin ist hinten” oder “Besenläufer” trägt nicht jeder Läufer gerne zur Schau. Schlichte, einfarbige Konfektionsware gefällt uns eben. Als ein wenig zu persönlich, wenn nicht gar übergriffig, könnte Laufunterwäsche unter dem Weihnachtsbaum aufgefasst werden. Und bitte, schenkt uns keine Schuhe! Die kaufen wir am liebsten selbst – in einem langen und aufwändigen Ritual, das einfach zur Läuferwerdung gehört.

Und Ihr?

Diese Liste ist natürlich bei weitem nicht vollständig, und ich bin mir sicher, dass in den Köpfen meiner geschätzten Leserschaft noch das eine oder andere No-No oder Go-Go schlummert. Dann nichts wie ab in die Kommentare damit. Ideen, die mir gefallen, werde ich in diesen Artikel oder einen Folgebeitrag einarbeiten. Und die Idee, die mir persönlich am besten gefällt, prämiere ich wieder einmal mit einer Tasse – nicht schön, aber einmalig. Es gibt also wieder etwas zu gewinnen – also haut in die Tasten!

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11 Kommentare zu „Siebenundzwanzig mal werden wir noch wach…“

  1. Gerd sagt:

    Du triffst das Fest mal wieder punktgenau. ;-)
    Und machst mir gleich wieder Freude darauf. Hatte fast vergessen, dass es bald wieder so weit ist!

  2. Hannes sagt:

    Ein herrlicher Beitrag von dir zum Weihnachtsfest, wie ich finde!

    Auch wenn ich den Eindruck habe, dass Gutscheine inzwischen eher abgedroschene Geschenke sind – die Zusicherung der Herzensdame, dass sie eine Woche lang doch die elendig stinkenden angeblich hochfunktionellen Kleidungsstücke wäscht und den im Winter auch noch als Dampf erkennbaren Gestank der Laufschuhe ignoriert, hätte für einen Läufer vermutlich ein enormes Gefühl von Vollkommenheit und Freiheit – oder von der Gewissheit, dass hier etwas absolut falsch läuft.

    Wer hingegen ganz sicher aus den Träumen des Partners verschwinden möchte, könnte zu einem “Ratgeber – Wie dehne ich richtig?” greifen. Was das Thema betrifft, haben Läufer doch die Nase voll – es stimmt ohnehin nichts.

    Eine besinnliche Weihnachtszeit – selbst ohne Straßenlaternen könnte man nun immerhin innerorts auf die Stirnlampe verzichten ==)

  3. Chris sagt:

    Ich habe weder ein NoNo noch ein GoGo zu bieten. Ich wünsche mir nur ein NoGo! Walker bleibt fern der Wege!

  4. Da fallen mir doch glatt selbst noch ein paar Ergänzungen ein:

    Geht immer

    Epiliergerät – mit glatten Armen und Beinen kann man auch noch das letzte Tausendstel herauskitzeln…

    Geht gar nicht

    Fußpuder, Fußspray, Antifußpilzspray – zu intim bis schwer beleidigend…

    Bücher übers Laufen – die guten haben wir schon und die, die wir nicht haben, taugen ohnehin nichts…

  5. dauerlaufen sagt:

    Epiliergerät? Laufpulli von der Oma? Du bist komisch.
    Aber die Laufkekse die mache ich nach! Endlich eine Idee für meine 4:16 Marathoni Mutti.

    In meiner Zweitwohnung in der Stadt der Arbeitswoche muss ich seit zwei Wochen das Licht im Zimmer nicht mehr anmachen. Weihnachtsbeleuchtung sei Dank – und da hängen normale Glühbirnen dran. Dafür muss ich mit einer albernen Schlafbrille ins Bett!

  6. Laufsachen sagt:

    notier “wie dehne ich richtig”…. kritzel “Gelpack und Tacker”…. murmel Epiliergerät? zu teuer! Heisswachs!…

    danke Jungs, meine Liste steht!

  7. Evchen sagt:

    Jetzt werde ich erst mal meine vorweihnachtlichen Laufgeschenke testen bzw. einkaufen. Dann schnuddel ich hier nochmal vorbei. hehe

  8. Sinusläufer sagt:

    Dankefür diesen Beitrag!

    Voltaren oder ähnliche schmerzlinderne Dinge gehören sicher nicht auf die Liste. Wer möchte schon gerne an sein Leid erinnert werden. Selbst wenn die Medikation noch so gut oder teuer ist.

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