Angesichts der aktuellen Tageshöchsttemperaturen im zweistelligen negativen Bereich bietet uns die Lauf-Blogosphäre einen Anblick des Heulens und Zähneklapperns. Übrigens im wesentlichen die gleiche Lauf-Blogosphäre, die sich über den zu heißen Sommer echauffiert hat. Aber sei’s drum. Während also die Pseudoathleten, die im Sommer schon so ungerne Schweiß vergießen, derzeit allerlei gefährliches Halbwissen über die Gefahren des Laufens bei Kälte verbreiten und ihre Faulheit mit halbseidenen populärwissenschaftlichen Studien zu rechtfertigen versuchen, habe ich beim Laufen im Winter – das für mich persönlich eine sehr viel größere Überwindung erfordert als im Sommer – endlich einen Vorteil erkennen können: Die zusätzlichen Bekleidungsschichten bieten ohne weiteres Zutun mehr Stauraum in Form von allerlei Taschen, so dass ich ohne zusätzlichen Aufwand zum Beispiel auch mal eine Digitalkamera mitnehmen kann.
Ich scheine die Extreme zu brauchen. Richtig schön wird Laufen erst jenseits der 30° C und unter -10° C. Bei den gemäßigten Temperaturen dazwischen kann es ja jeder. Durch eine glückliche Eingebung wählte ich für meinen gestrigen Lauf die ideale Klamottenkombination – unten zwei, oben drei Schichten –, in der ich weder fror noch übermäßig schwitzte. Und wenn man mal das seltene Glück hat, dass die Außentemperaturen zur eigenen Zwiebelstrategie passen, kann das Laufen auch bei Kälte schön sein. Wie es der Zufall so wollte, herrschten heute in etwa die gleichen Temperaturen – also machte ich mich in ähnlicher Kunstfaserzusammenstellung und mit Digitalkamera bewaffnet auf zum langen Lauf. Und wer weiß, wie oft wir die weiße Pracht noch vor die Linse bekommen werden – nachdem wir gestern zur Kenntnis nehmen mussten, dass die UN-Klimakonferenz zur Kenntnis genommen hat, dass es doch ganz hübsch wäre, die Erderwärmung innerhalb eines völlig willkürlich festgelegten Intervalls halten zu können. Angesichts dieses Unwillens zur Veränderung ist es doch praktisch meine Pflicht, den möglicherweise letzten Schnee für meine noch nicht gezeugten Kinder im Bild festzuhalten.
Die anfängliche Freude darüber, ohne Aufhebens eine Kamera mitnehmen zu können, legte sich allerdings recht bald – als ich mich nämlich daran erinnerte, dass mir jegliches fotografisches Talent fehlt. Meine Fotos sind für die Fotografie in etwa das, was Paula Nancy Millstone Jennings Gedichte für die Lyrik sind. Und bei den ersten Aufnahmen nach etwa einer Stunde machte ich mit einem Phänomen Bekanntschaft, dass die Biathleten die “Nähmaschine” nennen: Im Stehen zittern die Beine – bei mir der ganze Körper –, so dass man nicht vernünftig zielen und schießen kann. Meine persönliche Nähmaschine war allerdings vermutlich eher kälte- als stressinduziert. Die Ursache ist aber eigentlich auch völlig egal, das Resultat zählt: Die meisten Bilder sind “verwackelt”. Was also nutzt die beste Kamera, wenn man durch eigenes Unvermögen einerseits und widrige äußere Umstände andererseits keine vorzeigbaren Bilder festhalten kann? Womit ich wieder am Ausgangspunkt wäre: Das Laufen im Winter bietet wirklich überhaupt keine Vorteile.
Schlagworte: Bericht, Biathlon, Bilder, extrem, Kälte, Klimakonferenz, Laufen, Nähmaschine, Schnee, Winter











Ach, heul doch! Mich freut`s, daß es noch jemanden in der Laufblogosphäre gibt, der einen Sinn für Unschärfe hat und ich finde es schön, daß Du uns mal ein paar Laufbilder von der Isar zeigst. Außerdem hat Dein Text, wie gewohnt, genügend Schärfe.
Ich habe mal gehört, der Unterschied zwischen professionellen Fotografen und allen anderen sei, dass Profis ein Stativ benutzen – immer.
Aber dem künstlerischen Anspruch tut das keinen Abbruch: Deine Bilder vermitteln eine gewisse Melancholie und Tristesse. Und angesichts eines strahlend blauen Himmels ist das gar nicht so einfach.
Übrigens: Nicht überall herrschen Heulen und Zähneklappern. Ich fand das Schneetreiben heute toll!
Hm. Da sieht man mal, was für ein lausiger Fotograf ich bin:
Äh – nein; zumindest war ds nicht beabsichtigt – und entspricht auch so gar nicht der Stimmung beim Lauf.
Egal ob verwackelt oder nicht – du konntest wenigstens einen blauen Himmel genießen. Den hatte ich lange nicht mehr jammer
Und danke für die Aufklärung, warum wir alle auf einmal so viele Bilder machen: Die vielen Taschen. Ja, das ist herrlich! Das nächste Mal nehme ich noch viel mehr Kram mit zum Laufen. Heute hatte ich 8 Taschen
Das mit den “unter -10 °C” nehm ich dir noch ab aber “über 30 °C”, das kannst du mal dem Weihnachtsmann erzählen. Und gejammert wurde eigentlich auch nicht, zumindet nicht in den Blogs, die ich lese. Aber schöne Bilder!
Frohe Weihnacht!
Mann, Mann, Mann, den einzigen ernst gemeinten Satz nicht glauben, aber den Rest wörtlich nehmen wollen. Mein Beileid.
Ich freue mich jedes mal wenn es Bilder von Dir gibt. Sie haben immer eine sehr persönliche Note!

Ich wünsche Dir und deiner Familie ein wunderschönes und friedvolles Weihnachtsfest. Hau bei den Leckereien nicht so rein sonst müssen wir nach Weihnachten uns dein Leid wieder anhören. Lieber ab und an ne Runde Laufen.
Frohes Fest.
Gruß Gerd
Viele Taschen können richtig nützlich sein, wenn es dann gleich schöne Bilder mit blauem Himmel gibt, das lohnt sich immer. Hier ist der Himmel nicht so schön blau.
Ich wünsche Dir frohe, friedliche, besinnliche Weihnachten. Genieße die Tage und die Vorfreude auf das nächste Jahr, das hoffentlich häufig extreme Wetterbedingungen, also für Dich ideales Laufwetter bringt.