Off Topic: Trotz Netz und doppeltem Boden. Oder: Das fängt ja gut an! (1)

Computer sind Geräte,
mit denen man Probleme zu lösen versucht,
die man ohne sie nicht hätte.

Dieser Artikel wird das Laufen nur am Rande streifen. Aber es gibt drei mehr oder minder gute Gründe, ihn doch in diesem Blog zu veröffentlichen. Zum einen könnten die hier geschilderten Erfahrungen für den einen oder anderen Leser hilfreich sein. Denn aus Fehlern wird man zwar klug, aber wer wirklich clever ist, lernt lieber aus den Fehlern Anderer. Zum anderen interessieren mich Eure Erfahrungen, Meinungen, Tipps und Tricks. Wenn man so will, möchte ich also aus den Fehlern der Leserschaft lernen. Und last but not least möchte ich heute einfach mal ein wenig herum jammern. Wenn ich mich mit dem Durchschnittsblogger vergleiche, mache ich das ohnehin viel zu selten.

Der vorletzte Tag des Jahres

Als ich am späten Nachmittag des 30. Dezember kurz vor dem Fernseher einnickte, tat mein Laptop es mir gleich: Es legte sich schlafen, wie ich den Stand-by-Modus nenne, der im Windows-Jargon wiederum “Energie sparen” heißt. Im Gegensatz zu mir wachte der Computer aber nicht mehr auf. Sicher wäre der umgekehrte Fall deutlich schlimmer gewesen, trotzdem beginnen dem Internetjunkie natürlich gleich die Hände zu zittern, wenn zwar der Ein-/Aus-Schalter in beruhigendem Grün leuchtet, die Maschine aber ansonsten nicht einen Mucks von sich gibt. Als auch die mehrfach wiederholten üblichen Wiederbelebungsmaßnahmen – alle Stecker raus, eine Stunde warten, alle Stecker rein – zu keinem Erfolg führten, war klar: Irgendein Bauteil, und zwar ein gar nicht mal so unbedeutendes – muss sich ins Silikon-Nirwana verabschiedet haben. Und um mal krampfhaft einen Bezug zum übergeordneten Thema dieses Blogs herzustellen: Das Notebook lief einfach nicht mehr.

Mit meinen zitternden Händen mache ich mich also auf die mehrstündige Suche nach dem Kaufbeleg. Es gibt Tage, da rächt sich mein Motto “Nur Idioten räumen auf, ein Genie beherrscht das Chaos” an mir. Als ich endlich fündig werde, kann ich mein Glück kaum fassen: Freundlicherweise hat das Markengerät seinen Geist exakt drei Wochen vor Ablauf der Garantiezeit aufgegeben. Die folgenden 45 Minuten erinnern mich aber wieder daran, warum ich Anrufe bei sogenannten Hotlines meide wie der Teufel das Weihwasser. Beim ersten Anruf werde ich nach satten 15 kostenpflichtigen Minuten aus der Warteschleife geschmissen, weil gerade niemand Zeit für mich hat. Immerhin hat man mich für meine knapp drei Euro mit einigermaßen beruhigender Musik beschallt. Beim zweiten Anruf darf ich dafür schon nach nur zehn Minuten mit einem echten, wenngleich eher übellaunigen Menschen sprechen.

Abenteuer Hotline

Guten Tag, mein Name ist Soundso. Mein Computer ist defekt, und ich denke, dass es sich um einen Garantiefall handelt.
Ja und?
(sekundenlanges verdutztes Schweigen)
Spreche ich denn nicht mit der Service-Hotline von [Name des Herstellers].
Doch.
Und was muss ich nun tun, um in den Genuss der Garantieleistungen zum kommen?
(lässt durch ein deutlich hörbares Seufzen spüren, wie lästig dieser Anruf ist)
Da brauche ich erst einmal einige Angaben von Ihnen.
(zu meinem eigenen Erstaunen werde ich nur sehr langsam ungeduldig)
Und welche Angaben sind das?
(ein weiteres deutlich hörbares Seufzen erklärt mich zur Plage)
Jetzt muss ich erst einmal mein System starten.
(Zwei Minuten Stille für 50 Cent)
Hallo?
(hämisch und im festen Glauben, mich jetzt los zu werden)
Haben Sie denn überhaupt Ihre Seriennummer zur Hand?

Die Seriennummer habe ich nicht nur zur Hand, ich kenne sie schon auswendig. 30 Minuten Warteschleife haben mir reichlich Zeit gelassen, die sinnlose Aneinanderreihung von 22 Ziffern immer und immer wieder zu lesen. Wahrscheinlich gehört es zur Firmenpolitik, dass ich alle meine Angaben mindestens zweimal wiederholen und schließlich auch noch buchstabieren muss, wie zum Beispiel meinen Wohnort: U wie in unfähig, N wie in nachlässig, T wie in Trottel, E wie in Ekel, R wie in rüde, F wie in frech, Ö wie in öde, H wie in halbseiden, noch ein R wie in ratlos, I wie in inkompetent, noch ein N wie in Nichtsnutz, und schließlich G wie in grausam. Mir ist völlig schleierhaft, wie daraus später auf dem Versandschein “Unten Vörink” werden konnte. Und was ist das überhaupt für ein lausiges System, dass anhand der Postleitzahl nicht automatisch den Wohnort ermittelt? Jedenfalls hält mich mein unmotivierter Gesprächspartner so weitere zehn Minuten fest und bessert dadurch das Betriebsergebnis auf.

Endlich gibt der Lebenszeitverschwender mir meine Rücksendenummer. Die ist aber, wie sich herausstellt, das Papier nicht wert, auf das ich sie gerade gekritzelt habe. Denn die Versandunterlagen – und ohne die geht es nicht – schickt er mir per E-Mail. Auf meinen Einwand hin, dass mein Computer ja defekt sei und ich deshalb nicht so ohne weiteres an mein E-Mail-Konto herankomme, höre ich ein sowohl mitleidiges als auch hämisches: “Ach so, Sie haben nur den einen Computer”. Freundlicherweise kann man mir die Unterlagen auch per Post schicken – dann gehen sie aber frühestens am Montag raus. Toll, es ist ja schon Mittwoch. Ich biete an, das defekte Gerät per Paket einzusenden, dann könnte es am Montag schon im Reparaturzentrum ankommen. Aber das sieht das ominöse System nicht vor, ein solches Paket würde postwendend unfrei an mich zurück gesendet. Wie gut, dass der Hersteller des Notebooks nicht 1&1 heißt, denn sonst hätte Marcel Davis schon mehr als eine Beschwerdemail in seinem Postfach. Einen Rest Contenance bewahrend wünsche ich dem Hotline-Halbdeppen einen guten Rutsch in das neue Jahr. Seinerseits verabschiedet er mich mit einer Drohung: Wenn es sich nicht um einen Garantiefall handle, werde man mich für den Service ordentlich zur Kasse bitten. Service?

Frage Nummer 1 an die Leserinnen und Leser: Ich persönlich möchte den Computer auf dem Schreibtisch nicht missen. Man könnte sogar behaupten, ich sei ein Computerfreak. Trotzdem begnüge ich mich mit einer Maschine. Habe ich damit den Zeitgeist verpasst? Muss ich zugeben, ein Hinterwäldler zu sein, weil in meiner Abstellkammer kein Home-Server unnötig Strom verbraucht? Bin ich in den Neunzigern stehen geblieben, weil ich keinen Grund sehe, mir einen überzüchteten PC-Boliden unter den Schreibtisch zu stellen, wenn mein kleiner und feiner Laptop doch alles kann, was ich brauche? Darf man mich für einen Waldschrat halten, weil ich kein Ersatz-Notebook für den Fall der Fälle bevorrate? Und bin ich ein komischer Typ, weil ich nicht einsehe, warum ich mich mit meinen Wurstfingern auf der Mikrotastatur eines Netbooks abquälen sollte? Reicht ein Computer pro Person – und in einem Ein-Personen-Haushalt damit eben auch nur einer – nicht völlig aus? Wie viele Computer versauen in Euren Heimen die CO2-Bilanz?

Da dieser Beitrag jetzt schon wieder die kritische Länge von 1000 Wörtern überschritten hat, setze ich die Geschichte, die gerade erst ihren Anfang nimmt, ein andermal fort…

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9 Kommentare zu „Off Topic: Trotz Netz und doppeltem Boden. Oder: Das fängt ja gut an! (1)“

  1. Hannes sagt:

    wer wirklich clever ist, lernt lieber aus den Fehlern Anderer

    Ein guter Plan! kicher

    Auch schön zu hören ist, dass du nun ein wenig jammern willst. Wobei es doch eigentlich eher das Beklagen der Unfähigkeit anderer ist (der “Service”-Typen) und das machst du doch öfter? grins

    Doch auch wenn du es öfter machst – ich freue mich auf die Fortsetzung!

    Zu deiner (rhetorischen) Fragestellung: Ich habe tatsächlich noch einen zweiten Computer herum stehen. Allerdings eher aus dem Grund, dass ich keinen Grund zur Entsorgung nach der Anschaffung des Laptops kannte.

    Und falls ich die Service-Typen verteidigen wollte: Vielleicht ging er nicht von einem Ein-Personen-Haushalt aus? – Aber das will ich ja nicht …

    • Warte auf die Fortsetzung, Hannes, da wird das Jammern (auch über mich selbst) ungeahnte Ausmaße annehmen.

      Ob der Hotliner unfähig war oder nicht, möchte ich eigentlich gar nicht so sehr in den Vordergrund stellen. Unmotiviert und unfreundlich war er auf jeden Fall. Da fühlt man sich als Kunde so richtig ernst genommen.

      Dem Herrn hat die Firma [Name des Herstellers] es jedenfalls zu verdanken, dass das jetzt zu reparierende Gerät mein letztes dieser Firma war.

  2. Evchen sagt:

    Hm, ich sollte vorwegnehmen, daß ich in einem Technikerhaushalt lebe, wo sich über die Zeit immer wieder zu reparierende Geräte einfinden. Sind diese nicht mehr oder nur zu teuer reparabel, werden sie auch schon mal abgeschrieben, bei uns aber zweckentfremdet oder teilgenutzt (In der Waschküche stehen auch zwei Trockner. augenroll).

    Wir haben zu zweit ein Laptop, einen PC im Büro, der aber eigentlich nur als externe Festplatte dient und einen PC für Filme am Fernseher angeschlossen.
    Bei der Hotline weiß ich zumindest schon mal, von welchem Hersteller Dein Gerät nicht ist.

    Deswegen nicht, aber ein komischer Typ bist Du trotzdem. ;-)
    Du konntest tatsächlich noch ein frohes neues wünschen? Das hätte ich nicht geschafft.

  3. marcus sagt:

    Als Leserservice solltest Du noch verraten, bei welcher Hotline Du angerufen hast. Das hört sich nach sparsam online gekauft an.
    Einer muss es Dir ja sagen: Der Trend geht klar zum Zweit-Laptop. Woran willst Du den Deine Backup-Festplatte anschließen?

    Habe so eine leichte Ahnung, worüber noch alles gejammert wird…

    • Den Teufel werde ich tun und [Name des Herstellers] auflösen. Nach dem erquickenden Telefonat mit der Hotline traue ich denen auch saftige Abmahnungen für Verbreiten von Wahrheit zu.

      Bei dem Notebook handelt es sich allerdings um ein Markengerät, und ich habe es nicht mal bei Ich-bin-doch-nicht-blöd oder Geiz-ist-geil gekauft, sondern beim kleinen, charmanten Händler um die Ecke. Und es war nicht einmal das preiswerteste seiner Klasse. Dass Geräte Defekte haben, ist klar. Dass diese Defekte von Hotlinern nicht zu beheben sind, auch. Aber ich möchte als zahlender Kunde zumindest mit einem Rest von Höflichkeit behandelt werden.

      Das Drama mit der Backup-Platte wird im nächsten Teil beschrieben…

  4. Chris sagt:

    Zum eigenen Notebook gesellt sich noch das der Lebenspartnerin sowie ein Smartphone, um auch auf dem Klo oder in Arbeitspausen online gehen zu können. Das Netz hat doppelten Boden. Das Geld für einen Zweitrechner stecke ich lieber in allerlei “nötige” Kabel, um auch mp3-Player, Videokamera, GPS-Uhr u.ä. auch jeweils anschliessen zu können. Habe ich aber alle Kabel zusammen, wird ein neues Notebook fällig. Meine Lehre: beim Kauf nach Dingen ausrichten, die ich auch tue und nicht nach denen, die ich irgendwann mal tun will.

  5. Lizzy sagt:

    Wer auch immer [Name des Herstellers] sein mag: vermutlich bezahlt er seine Hotliner grottenschlecht (bzw. sind die gar nicht von ihm angestellt, sondern er gibt den Auftrag an ein Callcenter weiter, das grottenschlecht bezahlt, keine gescheite Software hat, keine nützlichen Infos, keine eigene Handlungsbefugnisse bzw. Flexibilität und somit keine Möglichkeit, einen wirklich guten Hotlineservice zu leisten. Das ist in 99% der Fälle der Grund für unfreundliche und scheinbar inkompetente Hotlines.

    Stell dir das mal vor: einen Job zu haben, bei dem du permanent schlecht gelaunte Leute am anderen Ende hast (die haben ja auch keinen Einfluss auf die Kosten der Hotline, das wurde von anderen entschieden), wenige Daten und keinerlei eigne Möglichkeiten, wirklich inhaltlich zu agieren. Ein paar Monate und Mutter Theresa wäre eine grantige Hotline-Zicke gewesen.

    Mein jetziger PC vom ALDI hatte noch keine Macken – schnurrt wie ‘ne Eins. Der davor – ebenfalls ALDI – hatte anfangs zweimal ein Problem in der Garantiezeit. Kurzer Anruf und zack stand ein Techniker vor der Tür und baute im ersten Fall eine neue Festplatte ein und im zweiten ein neues Board. Kurze Unterschrift und fertig. Das Ding wurde dann vor kurzem im betagten Alter von fast 10 Jahren (nur speichertechnisch privat etwas nachgerüstet) als Not- und Gästerechner ins Gästezimmer verfrachtet. Schnurrt immer noch.

    Im Büro kaufen wir natürlich namhaftere Produkte und ich gehöre zu denjenigen, die dann öfter mal die Hotline dort bemühen dürfen. Ja, ich weiß, was du meinst. Wobei ich im Büro weder die Gebühren bezahlen muss noch ein PRoblem mit Wartezeiten, Arbeitsplatzausfall oder ähnlichem habe. Da fällt die Gelassenheit dann leicht und zuweilen entlocke ich den Hotlinern in paar vorsichtige Infos zu ihren Arbeitskonditionen ….

  6. Zu der Frage wieviele Rechner ihren Dienst leisten. Hier bei mir sind es 3 die 24/7 Online sind. Alle laufen mit Linux. Hier ist Windowsfreie Zone.
    Nun noch eine Frage:
    Ist bei deinem Lap nur das OS nicht gestartet und/ oder hat der Rechner einfach keinen Laut mehr von sich gegeben. Das Heißt das nicht mal mehr das BIOs gestartet wurde?
    Mich Interessiert eigendlich der Fehler der aufgetreten ist und was es ausgelösst hat!

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