One Apple a day…

Rote BirneWer glaubt, wir Läufer seien konsumgeil und leicht durch Werbung zu verführen, der kennt die Triple-As noch nicht: Die Anhänger angebissener Äpfel. Vermutlich hat die Firma TENA gestern einen Rekordumsatz verzeichnet, denn je näher die Vorstellung des “magischen und revolutionären” neuen Produkts der Firma Apple rückte, desto mehr ihrer Fans nässten sich ein. Die Gemeinde der Jünger von Steve Jobs erinnert mich stark an die Anhängerschar von Joanne K. Rowling. Zwar tragen sie statt Zaubererumhängen schwarze Rollkragenpullover und den Zauberstab ersetzt das iPhone, das kindliche bis kindische Verhalten ist aber bei beiden Gruppen annähernd gleich stark ausgeprägt. Fiebrig-freudige Erwartung wird bis zur Ekstase gesteigert, um sich dann in grenzenlosem Staunen zu entladen.

Es war ja auch nicht abzusehen, dass für den braven Harry Potter am Ende alles gut wird, und der Apple-Gründer einen Tablet-Computer vorstellt. Jobs’ “We call it the iPad” wird vermutlich schon bald ein ebenso legendärer Satz sein wie Armstrongs “”That’s one small step for man, one giant leap for mankind”. Schatz, es ist ein iPad! Und wen interessiert schon, dass “Die Heiligtümer des Todes” der mit Abstand schlechteste Band der Reihe war, und das iPad nichts als ein zu groß geratenes iPhone ohne Telefonfunktion ist? Die Apfelkinder werden die Apple Stores stürmen und das iPad zu dem Verkaufschlager in 2010 machen. Neben einem schier sensationellen Marketing beherrscht Apple vor allem eins: Schnöde Technik hinter zeitlos schickem Design zu verstecken. Und aus Läufersicht stellt sich jetzt natürlich die Frage: Wann erkennt Apple endlich, dass auch wir jeden Mist kaufen, wenn er nur teuer und hübsch genug ist? Denn auf ein paar Produkte warte ich schon lange:

Wenn Apple es spätestens zum nächsten Winter vorstellen wird, werden wir uns wundern, wie wir bisher ohne das iLite leben konnten. Die superkleine und ultraleichte Stirnlampe nimmt über Sensoren das spärliche Umgebungslicht auf und zaubert mittels der ambient light technology (alt) wunderbar stimmungsvolle Lichteffekte auf die Laufstrecke. Für mehr Abwechslung sorgt die UMTS realtime ambient light technology (uralt), die immer neue Lichtspiele für kleines Geld aus dem App Store herunter lädt. Über die Multitouch-Oberfläche des Kopfbands können die Effekte gewechselt und die Leuchtstärke stufenlos geregelt werden. Zwar reicht die Leuchtkraft bestenfalls für ein zügiges Fußgängertempo aus und der nicht wechselbare Akku ist auch nicht aufladbar, aber diese Kinderkrankheiten werden spätestens mit dem iLite 4R zum Sommer 2012 behoben sein.

Noch zum Sommer dieses Jahres erwarten wir mit der iGoggle ein Gerät, dass auf den ersten Blick aussieht wie eine herkömmliche Sportsonnenbrille. Selbstverständlich ändert sich die Tönung der Gläser in Abhängigkeit vom Lichteinfall – die jeweils optimale, auf Empfehlungen führender Augenärzte basierende Abdunkelung wird dazu direkt aus dem App Store bezogen; gegen einen kleinen Aufpreis, versteht sich. Aber wer an der Gesundheit spart, spart ohnehin am falschen Ende. Von innen sind die Gläser mit einem organischen Display beschichtet, auf dem dem Läufer die wichtigsten Umgebungsdaten angezeigt werden: Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit. Wem das zu langweilig ist, der kann sich unterwegs auch Filme ansehen, mit 16 GB bietet die iGoggle genug Speicherplatz für mehrere Stunden Unterhaltung. Über das integrierte GPS-Modul können sich ambitionierte Läufer auch ihre aktuelle Position auf einer dreidimensionalen Karte anschauen, die natürlich nur über den App Store bezogen werden kann. Aufgrund der Sensorik ist die iGoggle mit knapp zwei Kilogramm für eine Sonnenbrille zwar ungewöhnlich schwer, beim für den Herbst 2012 erwarteten Nachfolgemodell iGoggle 5S soll das Gewicht aber um bis zur Hälfte reduziert werden.

Auf die kleine Gruppe der Eliteläufer zielt das iShirt ab. Als erstem Hersteller ist es Apple gelungen, eine Touchpad-Oberfläche atmungsaktiv zu gestalten. Auf der Funktionsfaser können so zum Beispiel Werbeeinblendungen platziert werden, die – ähnlich wie die Banden im Fußballstadion – ständig wechselnde Sponsoren präsentieren. Auch für Zielzeitläufer bei großen Laufveranstaltungen ist das iShirt ideal: Den Hinterherlaufenden kann so zum Beispiel ständig die aktuelle Zwischenzeit angezeigt werden. Aber auch für Otto Normalläufer bietet das iShirt einen Mehrwert: Das lästige Befestigen von Startnummern entfällt, die Nummer wird einfach von der Homepage des Laufveranstalters heruntergeladen. Apple wäre nicht Apple, wenn nicht auch das iShirt multitouch-fähig wäre. Zwar gibt es derzeit noch keine sinnvolle Anwendung dafür, aber sobald eine verfügbar ist, kann sie über den App Store bezogen werden. Das neuartige Material ändert seine Luftdurchlässigkeit in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Die Standardauflösung von 240 x 320 Punkten (Brust) beziehungsweise 320 x 320 Punkten (Rücken) erinnert zwar derzeit noch stark an die Computersteinzeit, für Läufer mit Konfektionsgröße XXXL ist aber auch schon ein iShirt mit besserer Darstellung in Entwicklung – das iShirtWalk R.

iPulse, die ultraflache und superleichte Pulsuhr aus dem Hause Apple, wird selbstverständlich zu allen bereits genannten Komponenten Kompatibel sein. Das 25 x 20 Zentimeter große 24-Zentimeter-Display ist flexibel und kann bequem um den Unterarm gewickelt werden. Zwei iPulse können so auch als Ärmlinge für das iShirt verwendet werden. Nach dem Lauf kann iPulse als dekorativer Wandschmuck aufgehangen werden. Im Funktionsumfang ähnelt iPulse der iGoggle, aber echte Fans werden sich trotzdem beide Geräte zulegen. Dass die Multitouch-Oberfläche empfindlich auf Regentropfen und Schneeflocken reagiert, soll mit der für Ende 2013 erwarteten iPulse 6P behoben werden. Der zugehörige Brustgurt iChest misst nicht nur die Herzfrequenz EKG-genau, sondern liefert auch Ultraschallaufnahmen des Läuferherzes in Echtzeit an iPulse. Die speziell für weibliche Läufer entwickelte Version iMammo ist nicht nur pink, sondern erledigt während des Laufs auch gleich die Krebsvorsorgeuntersuchung. Unklar ist derzeit noch, ob iChest und iMammo auf Krankenschein erhältlich sein werden.

Vermutlich iPot wird ein revolutionäres Trinksystem für Läufer von Apple heißen. Die in mehrere Kammern unterteilte Flasche wird mit verschiedenen energie- und mineralreichen Flüssigkeiten gefüllt, die in den Apple Stores erhältlich sein werden. Die hochempfindliche (und selbstverständlich multitouch-fähige) Außenhülle der Flasche misst die Außentemperatur, die Hauttemperatur des Läufers sowie den Mineralgehalt seines Schweißes. Aus diesen Parametern werden optimale Getränketemperatur und –mischung berechnet, selbstverständlich anhand stets aktueller Algorithmen, die im App Store zur Verfügung gestellt werden. Apple verspricht eine Leistungssteigerung um bis zu 0,1 %, sobald das Problem der geringen Füllmenge von 0,1 Litern mit dem iPot 7T behoben sein wird.

Die mit Neurotransmittern durchzogene Laufhose iTeit wird zwar erst für das 22. Jahrhundert erwartet, verspricht allerdings durch ständige Messung der Muskeltätigkeit in den unteren Extremitäten und Rückmeldung an iPulse eine bisher ungeahnte Steigerung der Laufeffizienz. Bereits jetzt erhältlich ist das Zusatzmodul iBalls, das ausschließlich die männliche Läuferschaft interessieren wird. Durch eine ständige Kontrolle und Korrektur von Hodentemperatur und –lage soll es Unfruchtbarkeit vorbeugen und so mittelfristig von Viagra unabhängig machen. iBalls wird kompatibel zur iGoggle sein – wird die (an den individuellen Geschmack des Läufers anpassbare) Silhouette einer attraktiven Läuferin am Horizont erkannt, wird über das in iBalls integrierte Luftkissen das vorgetäuscht, was beim Laufen geschrumpft ist. Und natürlich ist auch iBalls multitouch-fähig…

Lediglich in Lizenz wird Apple Laufsocken unter dem Namen iSox vertreiben, da selbst Steve Jobs außer einem überzogenen Preis kein unnützes Gimmick eingefallen ist, das ein profanes Paar Socken aufwerten könnte. Und da bei Laufschuhen der derzeitige Trend in Richtung von eher weniger als mehr Funktionalität deutet, wird Apple dieses Segment gar nicht bedienen – Schlichtheit passt einfach nicht ins Marketingkonzept. Aber wenn es Apple-Laufschuhe gäbe, würden sie vermutlich iFly heißen. Ebenfalls nicht weiter verfolgt wurde die Entwicklung von iPee, einem Produkt, das Chemietoiletten überflüssig machen sollte. Da der Umgang mit derlei Flüssigkeiten aber nicht zu Apples Image passt, wurde das Produkt an die Firma TENA verkauft.

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14 Kommentare zu „One Apple a day…“

  1. Hannes sagt:

    Lieber Lars, ein genialer Artikel, für den ich dich jetzt gar nicht genug loben kann. Absolute klasse – das liest man gerne!

  2. feuerpferdle sagt:

    Mann oh Mann, ist das genial geschrieben… Ich schmeiß mich gleich vor Lachen weg… ;) Einfach nur klasse!!!!

  3. Thomas sagt:

    Passend zu iPulse und iChest habe ich auch noch vom iFlash gelesen.
    Einem natürlich wie immer geheimen und nur eingefleischtesten iNerds zugänglichem board zufolge, soll es beim plötzlichen, per iPulse festgestelltem, Herzstillstand die Sache mit einem Hochenergiestromimpuls wieder ans Laufen bringen noch bevor der Läufer überhaupt merkt, das er beinahe nichts mehr gemerkt hätte.
    Böse Zungen behaupten allerdings, daß dieser Effekt eher zufällig entdeckt wurde, als wieder mal ein defekter Akku seinem Träger empfindliche Schmerzen zufügte. Leider war das ausgerechnet ein Testläufer für die iBalls aber angeblich ist er auf dem Wege der Besserung und nennt sich jetzt Erika.

  4. Valentin sagt:

    Guter Artikel. Vielen Dank für diese Bereicherung.
    Mal schauen wann dich Apple als Produktentwickler holt :) .

    Lg – Valentin

  5. Da fällt mir gerade noch einer ein, der aber nichts mit dem Laufen zu tun hat:

    Unklar ist noch, ob das revolutionäre Kondom aus dem Hause Apple iCon oder iRub heißen wird, außerdem ist noch der Arbeitstitel iCum im Gespräch. Neben der obligatorischen Multitouch-Oberfläche wird es selbstverständlich über die Ambient Light Technology und einen Beschleunigungssensor verfügen! Durch unmittelbare Rückmeldung an das iPad erübrigt sich die Frage “Und, war ich gut?” Auf jeden Fall wird iCon/iRub nur für Besserverdiener sinnvoll sein, die es sich leisten können, “danach” Technik für rund 500 Euro im Klo herunterzuspülen.

  6. Evchen sagt:

    Wieder einmal habe ich mich köstlich unterhalten gefühlt! Danke. geier

    Is zwar nicht zum Thema aber das muß ich jetzt loswerden. Heute Abend sehe ich im Supermarkt an einem “Bücher für 2-Euro-Stapel” den Buchtitel: Miles Walker, Du bist tot. Das hat mich irgendwie an dieses Blog erinnert und ich frage mich, was Du mit einem Herren dieses Namens wohl alles wortakrobatisch veranstalten könntest. ;-)

  7. Sinusläufer sagt:

    (…..)kleiner blaugrüner Planet, dessen vom Affen stammende Bioformen so erstaunlich primitiv sind, daß sie Digitaluhren noch immer für eine unwahrscheinlich tolle Erfindung halten. (….) die sich unglücklich fühlten.
    Und so blieb das Problem bestehen. Vielen Leuten ging es schlecht, den meisten sogar miserabel, selbst denen mit Digitaluhren.

  8. Eckord sagt:

    Dummgeschwafel wie immer wenns nicht ums Laufen geht… lauf lieber… das kannste besser ;)

    • Frustrierter Apple-Fanboy?

      Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass der Artikel zumindest entfernt mit Laufen zu tun hat. Und ob Ihr’s glaubt oder nicht – ich schreibe in der Tat besser als ich laufe…

  9. Gerd sagt:

    iPee hätte ich gestern gebraucht! ;-)
    Neue iballs bei der Kälte wären ab und an auch nicht schlecht!

    Das iPad ist nun ausnahmsweise mal überhaupt nicht interessant für mich. Und dass soll schon was heißen! ;-)

  10. Bernd sagt:

    Vielleicht liest ja Apple hier mit und bringt die eine oder andere Idee heraus. Dann wäre es allerdings schön wenn die Dich als Ideengeber am Erfolg beteiligen würden. Schöner unterhaltsamer Artikel. :D

  11. Martina sagt:

    Also ich habe mich lange nicht mehr so köstlich amüsiert wie über deinen Artikel. Wenn ich mir auch ­ein paar i Tools überlegt habe werde ich Sie hier veröffentlichen. Ist schon komisch, was so ein kleiner angebissener Apfel an Hype verursachen kann. Vielleicht sollte man im Gegenzug einen Betrieb gründen, der als Logo die angebissene Birne hat und dann den Apple Hype für seine Zwecke nutzen.

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