Der Steuerzahler in mir ist doch immer wieder begeistert, wenn sich aus dem die Elfenbeintürme staatlich geförderter Forschungseinrichtungen umwabernden Nebel Lösungen für Probleme herauskristallisieren, die bisher im echten Leben so noch gar nicht existierten. So scheinen zum Beispiel von der breiten Öffentlichkeit bisher völlig unbemerkt zahlreiche Wissenschaftler vollkommen dehydriert aus ihren Kitteln gekippt zu sein, weil sie – komplett vergeistigt, wie sie nun einmal sind – überhaupt nicht bemerkt haben, wie stark sie bei ihren nahezu übermenschlichen körperlichen Anstrengungen ins Schwitzen geraten. Glücklicherweise hat die Fraunhofer-Einrichtung für Modulare Festkörper-Technologien EMFT die rettende Entwicklung parat – gerade noch rechtzeitig, bevor eine ganze Generation brillanter Forscher völlig vertrocknet in den Laborfluren verendet. Und da bekanntermaßen keine Bevölkerungsgruppe unter größerer Dehydrierungsphobie leidet als wir Läufer, wird diese Entwicklung in einer entsprechenden Presseinformation als “Sensor-Shirt” für Läufer angepriesen (Achim Achilles berichtete ebenfalls). Diese Lackmus-Leibchen wechseln die Farbe, wenn sie mit Schweiß in Berührung kommen. (weiterlesen…)
Archiv für die Kategorie „Laufen“
Wunder der Wissenschaft? Wunderliche Wissenschaft?
Dienstag, 3. August 2010Top 10: Du bist Fußballer und kein Läufer.
Sonntag, 13. Juni 2010
Am dritten Tag der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft (FIFAFU) und drei Stunden vor dem ersten Auftritt der Deutschen Nationalmannschaft in Südafrika wird es Zeit, dass sich endlich auch der ewige Anfänger mit dem Thema Fußball auseinandersetzt. Und da sich die WM 2010 nach den ersten sieben Spielen auf die beiden Worte “Torwartfehler” und “Vuvuzela” reduzieren lässt, will ich das Thema etwas allgemeiner betrachten. In Anlehnung an David Letterman findet die geneigte Leserschaft deshalb hier eine neue Top 10 Liste.
Du hättest Fußballer werden sollen und nicht Läufer, wenn… (weiterlesen…)
Oben ohne
Dienstag, 8. Juni 2010Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Eigentlich könnte es mir völlig egal sein. Eigentlich sollte es mir sogar völlig egal sein. Denn vehement fordert der Kopf Toleranz und wünscht, es möge mir völlig egal sein. Dem Bauch allerdings ist nur der Kopf egal, und entgegen der klaren Anweisung des Verstands wird in den unergründlichen Tiefen der Gefühlswelt in aller Schärfe gewertet: “Muss das denn sein?”, fragt das Unterbewusstsein zunächst rein rhetorisch. “Was für ein Angeber!”, wird es deutlicher, um sich schließlich in den Ausruf “Idiot!” zu versteigen. Es ist die Ambivalenz des Autobahnunfalls: Man will eigentlich nicht hinsehen, kann aber auch nicht wegschauen. Ich möchte mich gar nicht echauffieren, spüre aber trotzdem Unmut in mir aufsteigen. Zumal der Anlass denkbar nichtig und der auslösende Reiz von eher kurzer Dauer ist. (weiterlesen…)
Wettkampfgedanken
Sonntag, 9. Mai 2010
Als mich die ersten Sonnenstrahlen des wunderschönen Maisonntags wachkitzeln, spüre ich als erstes meine Oberschenkel. Elefantös dick fühlen sie sich an, und unglaublich schwer. Dann bemerke ich das Lächeln auf meinem Gesicht. Bittersüßer Schmerz. Mehr als 20 Stunden hält die Freude über den gestrigen Wettkampf jetzt schon an – und das, obwohl ich bei einem Zehn-Kilometer-Rennen noch nie langsamer unterwegs war. Und obwohl ich mich das gesamte Frühjahr über eher wettkampfmüde fühlte. Und obwohl man bei einer familiären Veranstaltung mit gerade einmal 249 Finishern kaum von der euphorisierenden Wirkung eines Großereignisses sprechen kann. Trotzdem hat mich der Lauf mitgerissen, mir gute Laune beschert, mir neue Lust aufs Laufen gemacht. Und schon beim Frühstück freue ich mich darauf, meinem Läuferkonto unter der nachmittäglichen Maisonne ein paar weitere Kilometer hinzuzufügen. (weiterlesen…)
Pfadfinder im Penrose-Dreieck
Samstag, 8. Mai 2010
Echte Münchner, so heißt es, laufen nicht im Englischen Garten, sondern an der Isar. Und ich weiß jetzt auch warum. So lange man den Fluss zur Rechten oder Linken hat, kann man sich nämlich nicht verlaufen. Im Englischen Garten, dessen verschlungenes Wegenetz die Gesetze der Geometrie ad absurdum zu führen scheint, ist es dagegen ein Leichtes, die Orientierung zu verlieren. Das Muster geradeaus laufen – rechts abbiegen – geradeaus laufen – links abbiegen – geradeaus laufen – rechts abbiegen und so weiter führt den Läufer auf jeder anderen Ebene dieses Universums diagonal über dieselbe. Im Englischen Garten bildet es einen Kreis. Vermutlich sind M. C. Escher die Ideen zu seinen unmöglichen Figuren bei einem Spaziergang in Münchens bekanntestem Park gekommen. Für lustwandelnde Touristen mag die dem logisch denkenden Menschen nicht eingängige Wegeführung Attraktion per se sein. Der Läufer aber, der einen bestimmten Punkt ansteuern möchte, wünscht sich in einen französischen Barockgarten mit seinen geometrischen Mustern. Nun gut, so lange die kamerabewehrten Stadtbesucher in versprengten Kleingruppen durch die Parkanlage irren, stören sie weniger, als wenn sie in Bataillonsstärke auf dem Marienplatz einfallen und mit offenen Mäulern auf das Glockenspiel am Neuen Rathaus starren, das sich dadurch aber auch nicht dazu bewegen lässt, häufiger als drei mal täglich zu erklingen. (weiterlesen…)
Eis in der Sonne
Montag, 19. April 2010
Eiswürfel sind schon eine feine Sache. Sie bilden zum Beispiel die Basis praktisch all dieser grellbunten Schirmchendrinks, deren mimosenhafte Konsumenten derart lange zur Aufnahme der darin enthaltenen homöopathischen Dosis Alkohols brauchen, dass der gute Stoff ohne Kühlung schlicht verdunsten würde. Dem Etablissementbetreiber gefällt freilich die Handelsspanne, die bei gefrorenem Wasser ungleich größer ist als bei Hochprozentigem. Schlimmer als die Cocktail-Weicheier treiben es die Möchtegern-Machos, die Ihren Whisky stümperhaft “on the rocks” trinken und den vom Gastgeber gereichten steinalten Single Malt so erstens strecken, zweitens kühlen und drittens ruinieren. Echte Männer genießen ihre Getränke ohne unnötige Wasserbeimengung und verwenden die guten Eiswürfel ausschließlich zum Kühlen ihrer Laufverletzungen.
Die Trickkiste des Dr. M.
Freitag, 16. April 2010
Es ist kein Geheimnis, dass die Natur den ewigen Anfänger mit eher bescheidenem sportlichem Talent ausgestattet hat. Während meiner spätpubertären Sturm-und-Drang-Phase versuchte ich mich in einer für den mitteleuropäischen Geschmack doch recht raubeinigen Mannschaftssportart. Größere, schnellere und stärkere Mit- und Gegenspieler machten mir recht bald klar, dass ich zum Topathleten nicht tauge. Und so wurde ich zu dem, was die Amerikaner einen “student of the game” nennen: Jemand der alles, was es über eine Sportart zu wissen gibt, weiß oder zu wissen glaubt, dem aber leider die Fähigkeit fehlt, das auf dem Spielfeld umzusetzen. Klugscheißerei mündet im Sport typischerweise in einer Karriere als Funktionär oder Schiedsrichter. Und vor meinem inneren Auge sehe ich jetzt Menschen, die mehr über mich wissen, milde lächeln.
Neues von der Blogathlon-Deutschland-Staffel (12)
Freitag, 16. April 2010
Um es kurz zu machen: In den letzten vier Monaten fehlte es mir vor allem an der Zeit und möglicherweise auch an der notwendigen Energie, um das Projekt Blogathlon-Deutschland-Staffel so voranzutreiben, wie die Idee es eigentlich verdient hat. Und so sehr ich es bedauere: Auf absehbare Zeit wird sich daran – leider – auch nichts ändern. Da aber mittlerweile 230 Läufer aus ganz Deutschland an der Staffel interessiert sind, wäre es schade, dass Projekt ganz einschlafen zu lassen. Der eine oder die andere Leserin hatte ja schon ein wenig Hilfe bei der Durchführung angeboten, und ich möchte das Projekt nun ganz in treue Hände abgeben und in die zweite oder dritte Reihe zurücktreten. Ich werde mich sicher nicht vollständig von der Idee verabschieden, sondern werde auch in Zukunft weiterhin nach Kräften mit Rat und auch Tat zur Seite stehen. Falls also jemand Lust und vor allem auch Zeit hat, der Idee wieder Flügel zu verleihen, sollte er oder sie Kontakt mit mir aufnehmen. Aber auch falls sich niemand meldet wird die Blogathlon-Deutschland-Staffel sicher weitergehen, dann allerdings mit ungewisser Terminierung.
Älter heißt reifer
Dienstag, 2. Februar 2010
Seitdem ich mein erstes richtiges Paar Laufschuhe besitze, frage ich mich, woran mal wohl merkt, dass die guten Stücke verschlissen sind und man nicht mehr in ihnen laufen sollte. Bei “Straßenschuhen” ist das leicht: Wenn ihr Äußeres selbst nach einer ausgiebigen Schuhcremekur nur noch missbilligende Blicke der Partnerin provoziert, treten sie ihre letzte Reise zum Altschuhcontainer an. Diesen Maßstab kann ich an Laufschuhe unmöglich anlegen – dann müsste ich nach jedem zweiten Lauf zum Dealer meines Vertrauens schleichen. Die Laufschuhersteller selbst halten ihre High Tech Produkte allerdings auch nicht für sonderlich belastbar – eine prognostizierte Lebensdauer von bis zu 1.200 Kilometern liegt da schon weit über dem Durchschnitt. Der Pessimismus der Produzenten wundert freilich nicht weiter, denn schließlich sollen wir ja in der nächsten Saison das Nachfolgemodell unseres Lieblingsschuhs kaufen. Vor diesem Hintergrund ist es sicher kein Zufall, dass die von den Herstellern empfohlenen 500 bis 1.200 Kilometer in etwa der Strecke entsprechen, die ein Läufer pro Jahr in einem Paar Schuhe zurücklegt. (weiterlesen…)
Winterwetterwundertüte
Montag, 1. Februar 2010
Ganz ehrlich: Dieser Winter zermürbt mich deutlich weniger als der letzte. Laufen ist ganz unbestritten kein Wintersport, und im letzten Jahr hatte ich um diese Zeit die Schnauze schon gestrichen voll von Eis, Matsch und Schnee. In diesem Jahr geht mir die kalte Jahreszeit noch nicht ganz so stark auf die Nerven – aber bis zum Frühling ist es ja auch noch eine Weile hin. Gestern jedenfalls hatte ich so richtig Lust auf einen langen Lauf – es war knackig kalt, der Himmel stahlblau, eine feine Pulverschneedecke lag wie Puderzucker über der Landschaft und die strahlende Sonne ließ das alles noch einmal so schön aussehen. Auf meiner kleinen Aufwärm- und Erkundungsrunde durch das Städtchen waren die Wege frei oder zumindest sehr gut zu belaufen, und alles deutete auf perfekte 20 Kilometer hin. (weiterlesen…)



