Archiv für die Kategorie „Kolumne“

Wunder der Wissenschaft? Wunderliche Wissenschaft?

Dienstag, 3. August 2010

Der Steuerzahler in mir ist doch immer wieder begeistert, wenn sich aus dem die Elfenbeintürme staatlich geförderter Forschungseinrichtungen umwabernden Nebel Lösungen für Probleme herauskristallisieren, die bisher im echten Leben so noch gar nicht existierten. So scheinen zum Beispiel von der breiten Öffentlichkeit bisher völlig unbemerkt zahlreiche Wissenschaftler vollkommen dehydriert aus ihren Kitteln gekippt zu sein, weil sie – komplett vergeistigt, wie sie nun einmal sind – überhaupt nicht bemerkt haben, wie stark sie bei ihren nahezu übermenschlichen körperlichen Anstrengungen ins Schwitzen geraten. Glücklicherweise hat die Fraunhofer-Einrichtung für Modulare Festkörper-Technologien EMFT die rettende Entwicklung parat – gerade noch rechtzeitig, bevor eine ganze Generation brillanter Forscher völlig vertrocknet in den Laborfluren verendet. Und da bekanntermaßen keine Bevölkerungsgruppe unter größerer Dehydrierungsphobie leidet als wir Läufer, wird diese Entwicklung in einer entsprechenden Presseinformation als “Sensor-Shirt” für Läufer angepriesen (Achim Achilles berichtete ebenfalls). Diese Lackmus-Leibchen wechseln die Farbe, wenn sie mit Schweiß in Berührung kommen. (weiterlesen…)

Oben ohne

Dienstag, 8. Juni 2010

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Eigentlich könnte es mir völlig egal sein. Eigentlich sollte es mir sogar völlig egal sein. Denn vehement fordert der Kopf Toleranz und wünscht, es möge mir völlig egal sein. Dem Bauch allerdings ist nur der Kopf egal, und entgegen der klaren Anweisung des Verstands wird in den unergründlichen Tiefen der Gefühlswelt in aller Schärfe gewertet: “Muss das denn sein?”, fragt das Unterbewusstsein zunächst rein rhetorisch. “Was für ein Angeber!”, wird es deutlicher, um sich schließlich in den Ausruf “Idiot!” zu versteigen. Es ist die Ambivalenz des Autobahnunfalls: Man will eigentlich nicht hinsehen, kann aber auch nicht wegschauen. Ich möchte mich gar nicht echauffieren, spüre aber trotzdem Unmut in mir aufsteigen. Zumal der Anlass denkbar nichtig und der auslösende Reiz von eher kurzer Dauer ist. (weiterlesen…)

Wettkampfgedanken

Sonntag, 9. Mai 2010

Als mich die ersten Sonnenstrahlen des wunderschönen Maisonntags wachkitzeln, spüre ich als erstes meine Oberschenkel. Elefantös dick fühlen sie sich an, und unglaublich schwer. Dann bemerke ich das Lächeln auf meinem Gesicht. Bittersüßer Schmerz. Mehr als 20 Stunden hält die Freude über den gestrigen Wettkampf jetzt schon an – und das, obwohl ich bei einem Zehn-Kilometer-Rennen noch nie langsamer unterwegs war. Und obwohl ich mich das gesamte Frühjahr über eher wettkampfmüde fühlte. Und obwohl man bei einer familiären Veranstaltung mit gerade einmal 249 Finishern kaum von der euphorisierenden Wirkung eines Großereignisses sprechen kann. Trotzdem hat mich der Lauf mitgerissen, mir gute Laune beschert, mir neue Lust aufs Laufen gemacht. Und schon beim Frühstück freue ich mich darauf, meinem Läuferkonto unter der nachmittäglichen Maisonne ein paar weitere Kilometer hinzuzufügen. (weiterlesen…)

One Apple a day…

Donnerstag, 28. Januar 2010

Rote BirneWer glaubt, wir Läufer seien konsumgeil und leicht durch Werbung zu verführen, der kennt die Triple-As noch nicht: Die Anhänger angebissener Äpfel. Vermutlich hat die Firma TENA gestern einen Rekordumsatz verzeichnet, denn je näher die Vorstellung des “magischen und revolutionären” neuen Produkts der Firma Apple rückte, desto mehr ihrer Fans nässten sich ein. Die Gemeinde der Jünger von Steve Jobs erinnert mich stark an die Anhängerschar von Joanne K. Rowling. Zwar tragen sie statt Zaubererumhängen schwarze Rollkragenpullover und den Zauberstab ersetzt das iPhone, das kindliche bis kindische Verhalten ist aber bei beiden Gruppen annähernd gleich stark ausgeprägt. Fiebrig-freudige Erwartung wird bis zur Ekstase gesteigert, um sich dann in grenzenlosem Staunen zu entladen. (weiterlesen…)

Ich laufe für…

Mittwoch, 27. Januar 2010

Wer schon einmal das Teilnehmerfeld einer größeren Laufveranstaltung vor sich her getrieben hat, der hat auch sie schon gesehen: Läuferinnen und Läufer, die auf ihren Funktionsoberteilen mehr oder minder sinnhaltige Parolen mehr oder minder politischen oder weltanschaulichen Inhalts öffentlich zur Schau stellen. “Ich laufe für die Einführung der parlamentarischen Demokratie im Staat Vatikanstadt!”, dürfen wir da beispielsweise lesen. Oder auch: “Ich laufe gegen die Zweckentfremdung der Top-Level-Domain von Tuvalu!” Beliebt sind auch militant-vegane, dafür mitunter aber geistreiche Sprüche der Art: “Ich laufe gegen Tierquälerei! Und weil Du ein Fleischfresser bist, siehst Du mich nur von hinten!” Sehen wir einmal davon ab, dass jeder Mensch, der seine Sinne auch nur halbwegs beisammen hat, viele dieser Forderungen sofort unterschreiben würde: Niemand, der noch bei Trost ist, würde sich etwa dem Ruf nach Achtung der Menschenrechte in – zum Beispiel – China verschließen. Trotzdem bleibt ein sogenannter Wettkampf ein denkbar ungeeignetes Forum für derlei Aussagen. (weiterlesen…)

Der Lauf-Limerick zum Sonntag

Sonntag, 10. Januar 2010
Dieser Artikel ist der 5. von 5 Teilen in der Serie Der Lauf-Limerick zum Sonntag

Hoppla! Da habe ich doch glatt vergessen, den Lauf-Limerick für den heutigen Sonntag einzustellen. Für alle Daisy-Geplagten gibt es heute ein paar wärmende Gedanken:

Ein Läufer mit schütterem Haar,
im Sommer zu leichtsinnig war,
er lief in der Hitze,
ohne schützende Mütze,
die Glatze war bald schon ganz gar!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen (Rest-) Sonntag!

Der Lauf-Limerick zum Sonntag

Sonntag, 3. Januar 2010
Dieser Artikel ist der 4. von 5 Teilen in der Serie Der Lauf-Limerick zum Sonntag

Das habt Ihr nun davon. Da wieder einmal die Ausführlichkeit meiner Beiträge bemängelt wurde, setze ich auch 2010 die Serie meiner Lauf-Limericks fort. Heute präsentiere ich, nicht ohne einen gewissen Stolz, den bisherigen Höhepunkt meines Limerickschen Schaffens:

Ein Jungspund und wahrer Flegel,
zertritt beim Laufen ‘nen Schnegel.
“Das hast du davon”,
sagt er in garstigem Ton,
“Überholen ist gegen die Regel.”

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen ersten Sonntag im Jahr 2010!

Der Blick in die Kristallkugel: So wird das Laufjahr 2010

Freitag, 1. Januar 2010

Januar

KristallkugelDamit Haile Gebrselassie beim Dubai Marathon auch wirklich einen neuen Weltrekord läuft, setzen die Veranstalter erstmals echte Hasen  statt menschlicher Pacemaker ein. Mehrere Deutsche Kaninchenzüchtervereine können sich prachtvolle neue Vereinsheime leisten, weil die Prinzenfamilie ihnen für ihre “Deutschen Riesen” Höchstpreise zahlt. Ein Riesenkaninchen kann bis zu 50 km/h schnell laufen und ist gerade groß genug, um Gebrselassie Windschatten zu bieten. Das Experiment macht keine Schule, weil die Favoritengruppe um Gebrselassie über ein rammelndes Karnickelpaar stürzt und eine völlig unbekannte Südafrikanische Läuferin die Männerkonkurrenz gewinnt. (weiterlesen…)

Natürlich laufen!

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Oder: Eine sehr persönliche Betrachtung zum Jahresende.

Healthy FeetDer Mensch im Allgemeinen und der Blogger im Besonderen nimmt sich am Jahresende gerne die Zeit, Rückschau zu halten und den Blick in die Zukunft zu richten. Das gilt umso mehr, wenn ein vermeintlicher Dekadenwechsel bevorsteht. Was, nebenbei bemerkt, in wenigen Stunden nicht der Fall sein wird. Zwar “nullen” wir – was ja durchaus auch Grund zu besonderer Freude geben mag –, aber ein neues Jahrzehnt wird erst in gut einem Jahr anbrechen. Der Mensch – wenn er nicht gerade homo informaticus ist – beginnt eine Zählung üblicherweise mit der Eins. Und da davon auszugehen ist, dass die Informatikkenntnisse der frühen Christen eher bescheiden waren, können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es zwischen den Jahren 1 v. Chr. und 1 n. Chr. kein Jahr 0 gegeben hat. Aber wie sagt man in meiner Familie so schön: So genau scheißt kein Schwein. Genug der Abschweifung. (weiterlesen…)

Der Lauf-Limerick zum Sonntag

Sonntag, 27. Dezember 2009
Dieser Artikel ist der 3. von 5 Teilen in der Serie Der Lauf-Limerick zum Sonntag

Falls jemand darauf hofft, dass mir die Ideen für Lauf-Limericks ausgehen, dann muss ich sie oder ihn leider enttäuschen – für ein paar Sonntage habe ich noch Material. Hier also Nummer Drei:

Da war mal ein Läufer aus Lahr,
der schneller als Licht sogar war.
Er lief, und er lief,
und ganz relativ
kam er zurück im vorigen Jahr.

Inspiriert wurde dieses kleine Gedicht durch einen Limerick, der in Kapitel 10 von Stephen Hawkings “Eine kurze Geschichte der Zeit zu finden ist:

There was a young Lady of Wright
Who travelled much faster than light.
She daparted one day,
in a relative way,
And arrived on the previous night.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen letzten Sonntag im Jahr 2009!


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