Draußen ist es kalt, es regnet, und ich habe auch die eine oder andere Schneeflocke gesehen. Nicht mein Laufwetter! Ich habe keine Lust, mich dick einzupacken und auszusehen wie der Marshmallow-Man oder das Michelin-Männchen, nur um trotzdem triefend nass zu werden und kalte Füße zu bekommen. Vielleicht habe ich bisher einfach nur noch nicht die optimale Laufjacke gefunden – obwohl ich bereits etliche Euro in allerfeinste High-Tech-Fasern investiert habe. Die versprechen aber sehr viel mehr, als sie halten. Die unteren Abschnitte meiner oberen Extremitäten neigen nämlich zu verstärkter Transpiration. Ich schwitze also an den Unterarmen wie die Sau. Im Sommer – mit kurzen oder gar keinen Ärmeln – ist das überhaupt kein Problem: Da spritzt die Plörre bei jeder Armbewegung einfach weg und malt Rohrschachttests auf den Asphalt. Im Winter aber – unter Fleece oder Windstopper und wie sie alle heißen mögen – sammelt sich die Suppe in den Ärmeln der Jacke. So lange man die Unterarme annähernd waagerecht hält, wie das ja beim Laufen meist der Fall ist, merkt man das eigentlich nicht. Aber wehe, man fummelt nach dem Lauf in der Gesäßtasche herum, um den Haustürschlüssel zu finden: Dann schießt die Suppe mit einem Schwall in die Tights und bahnt sich ihren Weg durch die Crena ani. Während man die andere Hand locker an der Seite baumeln lässt, tropft dort der Schweiß vom Ärmelbündchen direkt in den Laufschuh. (weiterlesen…)
Archiv für die Kategorie „Marathon“
Wintertraining
Freitag, 11. Dezember 2009Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?
Mittwoch, 11. November 2009Gibt es ein Leben nach dem Marathon?
Ich kenne mich selbst ja nun schon seit einigen Jahren. Und weil ich mich so gut kenne, befürchtete ich, nach dem Marathon in ein tiefes, schwarzes Motivationsloch zu fallen. Die Versuchung, mich nach dem Erreichen des großen Ziels einfach mal ein paar Monate dem süßen Müßiggang hinzugeben, erschien mir doch recht verlockend. Dass diese Faulenz-Phase genau in eine kritische Jahreszeit fallen würde – denn die Weihnachtszeit macht ja bekanntlich Hintern breit –, war mir sehr wohl bewusst. Tief in meinem Inneren hatte ich mich bereits mit einigen Kilogramm zusätzlichen Hüftgolds arrangiert. Und im Januar hätte ich dann – gute Neujahrsvorsätze in die Tat umsetzend – den alten Einsteiger-Trainingsplan herausgesucht und mich mühsam über die ersten drei oder vier Kilometer gequält. Ewiger Anfänger eben. Den Kampf gegen die bevorstehende Motivationskrise hatte ich schon aufgegeben, bevor mir der innere Schweinehund überhaupt den Krieg erklärt hatte. Dann war es eben eine sich selbst erfüllende Prophezeiung – ich hatte mir eine Pause mehr als redlich verdient. (weiterlesen…)
Der Krampf geht – das Grinsen bleibt (3)
Donnerstag, 5. November 2009Im Olympiastadion
Irgendetwas stimmt hier nicht. Der Vier-Stunden-Zielzeitläufer ist weit vor mir, aber meine Uhr zeigt bei 40 Kilometern nicht mal 3:45 Stunden. Toller Zugläufer, der seine Meute unter der Vorgabe ins Ziel hetzt. Ich bin schon längst wieder auf dem Olympiagelände von 1972 unterwegs, bezeichnenderweise auf dem Spiridon-Louis-Ring – benannt nach dem Sieger des ersten olympischen Marathonlaufs. Ich lege einen relativ schnellen, wenngleich harten 41. Kilometer hin. Durch ein Megafon verkündet jemand mit monotoner, langsamer, getragener Stimme: “Nur noch 1100 Meter. Nur noch bergab.” Immer und immer wieder sagt er es, und tatsächlich, die Suggestion bewirkt, dass ich wirklich glaube, bergab zu laufen. Rechts von mir türmt sich das Olympiastadion auf. Von irgendwoher dröhnt laute Diskomusik. Die Strecke knickt nach rechts ab. (weiterlesen…)
Der Krampf geht – das Grinsen bleibt (2)
Donnerstag, 5. November 2009Nach hause – telefonieren
Zwischen Kilometer 18 und 19 liegt der vermeintlich kritischste Teil der Strecke – von hier aus kann ich mein Büro fast sehen, bis nach hause wären es nur wenige Minuten Fußweg. Während ich aber so durch Oberföhring trabe, verschwende ich daran keinen Gedanken. Die leichte Steigung auf dem Rückweg durch Bogenhausen ist mit dem Auge kaum wahrnehmbar, dafür aber in den Beinen um so deutlicher zu spüren. Zudem ist die Strecke hier unheimlich eintönig, an der breiten Straße verlieren sich die wenigen Zuschauer. Dafür motiviert die Halbmarathonmarke ungemein, ein Blick auf die Uhr noch mehr: Ich liege mehr als 90 Sekunden unter meiner Vorgabe. Nur noch ein Halber, und es ist vollbracht. So langsam beginnt mich aber die Streckenführung zu nerven: München hat nun wahrlich schönere Ecken zu bieten als die A94, den Straßenbahn-Betriebshof, die S-Bahn-Stammstrecke und Gewerbegebiete. (weiterlesen…)
Der Krampf geht – das Grinsen bleibt (1)
Donnerstag, 5. November 2009Der München Marathon 2009
Im Herbst des Jahres 2005 machte ich einen Studenten glücklich, als ich ihm meine Startnummer für den Frankfurt Marathon überließ. Aufgrund einer Verletzung musste ich damals die Vorbereitung abbrechen. Fast genau drei Jahre später verhinderte wieder eine Verletzung meinen Start beim Köln Marathon 2008, die Startnummer wurde nie abgeholt. Dazwischen, in den Jahren 2006 und 2007, verschwendete ich keinen einzigen Gedanken an einen Marathonstart, weil ich entweder verletzt oder völlig außer Form oder beides war. Als ich dann vor knapp vier Wochen, am Freitag vor dem München Marathon, meine Startunterlagen im Olympiapark abholte, war ich also schon weiter gekommen als jemals zuvor. Allein diese Tatsache zauberte vermutlich schon ein Lächeln in meine vom harten Training verzerrte Fratze. (weiterlesen…)
Die Drei Fragen
Dienstag, 3. November 2009
Die geneigte Leserin und der geneigte Leser warten hoffentlich immer noch gespannt auf meinen Bericht zum München Marathon 2009. Aber als mein Endorphinspiegel endlich wieder ein Niveau erreicht hatte, auf dem ich halbwegs sinnvolle und zusammenhängende Sätze ohne übermäßigen Gebrauch der Worte “Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!” zu bilden, wurde die Erzählung allerdings ein wenig zu lang und verlangte nach einer sinnvollen Unterteilung. Aus Musikalben werden ja auch Singles ausgekoppelt. Als kleinen Appetitmacher auf den noch zu veröffentlichenden Artikel hier also ein paar Randgedanken. Denn es gibt drei Fragen, die das Läuferleben nicht nur begleiten, sondern es über mehrere Ebenen hinweg regelrecht durchdringen: (weiterlesen…)
Mit der Brechstange (1)
Montag, 28. September 2009Montag, halb zehn in Deutschland
Innerhalb von gut 60 Stunden bin ich um mindestens 30 Jahre gealtert. Als ich am Freitag Abend das Büro verließ, war ich noch so um die 40 und stand mitten im Leben. Als ich heute Morgen in der Drehtür stecken blieb, weil mir nach einer Achteldrehung die Kraft ausging, muss ich zwischen Mitte 70 und scheintot gewesen sein, nur mehr ein sabbernder Lappen, ein Schatten meiner selbst. Vermutlich wollte mich der kleine, immer etwas schwindsüchtig aussehende Auszubildende gar nicht demütigen, als er mir anbot, mich zu stützen. Nur zu gerne hätte ich das Angebot angenommen, aber ein letzter, kleiner Funken Stolz verbot es mir. In einem der Büros kicherten wie jeden Morgen die Azubinen und Praktikantinnen herum. Üblicherweise täuschen die Damen Arbeit vor, sobald jemand den Raum passiert. Heute wurde das Kichern zum Gelächter, und in meinem Rücken fielen mehrfach die Worte “Grandpa Simpson” und “Mr. Burns”. Eigentlich wollte ich mich abrupt umdrehen und den Mädels meinen Respekt einflößenden Blick zuwerfen, knickte dabei aber in der Hüfte ein und musste mich an der Wand abstützen, während mir ein dünner Speichelfaden aus dem Mundwinkel lief. (weiterlesen…)
Marathonquiz (1)
Sonntag, 19. April 2009Marathongesichter
Dienstag, 7. April 2009
Unter dem Titel “Endorphine im Bild” berichtet FAZ.NET heute über eine Ausstellung des Frankfurter Fotografen Adrian Bischoff. “Marathon Faces” nennt Bischoff seine Ausstellung, die Porträts von Frankfurt Marathon Finishern aus dem Jahr 2008 unmittelbar nach ihrem Zieleinlauf zeigt. Zwölf der Aufnahmen kann man sich unter “Bild für Bild” anschauen.
Schöne Aufnahmen, ohne Frage, wenngleich einige schon nicht mehr ganz authentisch wirken. Mein persönlicher Favorit ist der Herr auf Foto 10.
Die Ausstellung “Marathon Faces” ist noch bis zum 17.04.2009 in der Rotunde des Fürstenhofs, Dresdner Bank, Gallusanlage 2 in Frankfurt am Main zu sehen.





