Jeder Läufer kennt mindestens einen. Und wer keinen kennt, ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit selber einer. Sie sind lästiger als schlecht sitzende Laufunterwäsche und schwieriger loszuwerden als Fußpilz: Laufklugscheißer! Sobald irgendwo mehr als zwei Läufer zusammentreffen, ist mit Sicherheit einer von ihnen ein Laufklugscheißer. Ärmer an sozialen Kontakten als der härteste Computerfreak und emotional verkrüppelter als ein Rammsteinhörer ist er unfähig, eigene Lebensfreude zu entwickeln und deshalb zu einem Leben als Parasit verdammt. Mit aufgesetztem, maskenhaften Lächeln schleicht er sich an seine Wirtsorganismen heran – junge, gesunde, fröhliche, lachende, scherzende Läuferinnen und Läufer. Die gesellige Läuferschar nimmt den lächelnden Menschen wie selbstverständlich in ihrem Kreis auf – ein fataler und nicht mehr rückgängig zu machender Fehler. Denn wie ein Blutegel beißt sich der Laufzombie an seinen Opfern fest, schlitzt sie auf und saugt Lebensfreude aus ihnen heraus. Seine bevorzugte Beute: langsam und übergewichtig aussehende Läufer. (weiterlesen…)
Artikel-Schlagworte: „Tempotraining“
It’s not rocket science!
Montag, 30. November 2009Anleitung zum Unglücklichsein
Samstag, 19. September 2009
Vor fast acht Monaten verfasste ich den ersten Eintrag in diesem Blog. Damals plante ich, auch und vor allem die “hässliche Fratze” des Laufens zu zeigen. Von zermürbenden Dialogen mit dem inneren Schweinehund wollte ich berichten. Über die unmenschlichen Qualen knallharter Trainingseinheiten wollte ich schreiben. Ausbleibende Erfolge und zunehmende Frustration wollte ich beklagen. Motivationslöcher, Krankheiten und Verletzungen wollte ich als ständige und lästige Begleiter des Läufers enttarnen. Von Blut, Schweiß und Tränen sollte dieses Blog handeln und so die allgegenwärtigen Lobgesänge auf das Laufen karikieren. Aber erstens kommt es anders, als man zweitens meistens denkt! Und wenn Du denkst Du denkst dann denkst Du nur Du denkst… (weiterlesen…)
Fußballoger und Laufhummeln
Freitag, 7. August 2009
Obwohl ich passionierter Passivsportler bin und Mannschaftssportarten mag, kann ich mit der Deutschen liebsten Sportart – dem Fußball – eher wenig anfangen. Ich führe das auf ein frühkindliches Trauma zurück: Wann immer auf dem Schulhof oder in der Turnhalle Fußball gespielt wurde – und das war praktisch jeden Tag der Fall –, blieb ich, das dicke Kind mit den zwei linken Füßen, übrig, wenn Mannschaften gewählt wurden. Unter dem Augenrollen der Mitspieler musste mich schließlich ein Team aufnehmen, in dem ich als Torwart möglichst geringen Schaden anrichten sollte. Mein sozialer Status lag in dieser Zeit nur knapp über dem eines Mädchens – die dürften nämlich gar nicht erst mitspielen. (weiterlesen…)
Das Salz in der Suppe
Sonntag, 26. Juli 2009
In mancher Hinsicht ähnelt das Laufen dem Kochen: Um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen, braucht man etwas Zeit, reichlich Geduld, gute Zutaten und viel Liebe zum Detail. So wie man Tag für Tag und Woche für Woche das gleiche, erprobte Gericht kochen könnte, kann man natürlich auch Tag für Tag und Woche für Woche eine bekannte Strecke im gewohnten Tempo laufen. Und so wie das immer gleiche Gericht einigermaßen wohlschmeckend und sättigend sein wird, wird auch der immer gleiche Lauf leidlich Spaß machen und für einen ausreichenden Trainingseffekt sorgen. Bewährtes muss zwar nicht schlecht sein, bietet aber Spielraum für Verbesserungen: Etwas Abwechslung und Experimentierfreude können den Gaumen erfreuen und den Körper besser mit dem Notwendigen versorgen. Und im Laufalltag versprechen Variation und Ablegen von Gewohnheiten mehr Spaß und effektiveres Training. (weiterlesen…)
Mille Miglia
Donnerstag, 23. Juli 2009
Trotz der nicht ganz unbeschwerten Nacht nach dem dienstäglichen Tempotraining habe ich mich gestern zu einem lockeren Lauf in die nicht mehr ganz so schlimme Hitze gewagt. Richtig viel war nicht zu erwarten, und die letzten drei, vier Kilometer würde ich auch nicht mehr wirklich als ganz so locker bezeichnen. Nun ja, wenn man sich dienstags überfordert, dann kann man eben mittwochs keine Glanztaten vollbringen. Eine Marathonvorbereitung ist ja auch kein Kindergeburtstag. Trotzdem gibt es Grund zu feiern: Etwa zur Mitte des gestrigen Laufs habe ich die eintausendste Laufmeile dieses Jahres hinter mir gelassen. Am Ende des Laufs waren es dann insgesamt knapp 1.006 Meilen oder 1.619 Kilometer. (weiterlesen…)
Zeitlupenlaufen und Krampf auf dem Klo
Mittwoch, 22. Juli 2009
Blauer Himmel, strahlende Sonne und 30°C im Schatten – nicht schwül, einfach nur heiß – das ist mein Laufwetter. Vermutlich bin ich das einzige Exemplar des wechselwarmen Homo sapiens: Je wärmer es ist, desto höher ist meine gefühlte Leistungsfähigkeit. Entgegen dem gängigen Wohlfühl- und Schönheitsideal bin ich erst glücklich, wenn kein Quadratmillimeter meiner Laufkleidung mehr trocken ist und der Schweiß gleich literweise auf den Boden tropft. Dann habe ich das gute Gefühl, hart trainiert zu haben. Wenn dann, so wie gestern, auch noch ein verhältnismäßig happiges Tempotraining auf dem Plan steht, macht das meinen Tag schon fast perfekt – sorgt aber mitunter auch für eine harte Nacht… (weiterlesen…)
Wer braucht schon die letzten zehn Prozent?
Dienstag, 7. Juli 2009
Nehmen wir einmal an, eine Gruppe sesselfurzender Funktionäre hätte 1921 die Marathonstrecke völlig willkürlich auf 37,976 Kilometer festgelegt. Das wäre genau so sinnvoll oder sinnlos wie die – ebenfalls willkürliche und außerdem zufallsbehaftete – Einigung auf 42,195 Kilometer gewesen. Hätte irgendjemand die letzten 4,219 Kilometer vermisst? Vielen Läuferinnen und Läufern wäre die unangenehme Bekanntschaft mit dem sagenumwobenen Mann mit dem Hammer, mit der Wand oder mit einem der vielen anderen Marathongespenster erspart geblieben. Ein Halbmarathon wäre dann nur noch knapp 19 Kilometer lang, und jeder lumpige 10-Kilometer-Lauf wäre schon mehr als einen Viertelmarathon wert. Wer braucht denn schon die letzten zehn Prozent? (weiterlesen…)
Tempobolzen im Dauerregen
Samstag, 6. Juni 2009Der innere Schweinehund schlägt zurück
Einen Tempodauerlauf fordert der Trainingsplan. Das Wetter macht mehr Lust auf einen heißen Tee. Zehn Kilometer, und zwar zackig, irgendwo in der Nähe des Halbmarathon-Renntempos, sagt der Trainer. Der pünktlich zum Trainingsbeginn einsetzende Dauerregen spricht eher für einen gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa. Der Läufer schimpft über den Wetterbericht, in dem von sintflutartigen Regenfällen keine Rede war. Und zum ersten mal seit langer, langer Zeit hat der innere Schweinehund wieder Oberwasser und lacht sich ins Fäustchen. Aber wie sagt Achim Achilles so schön: “Lerne Laufen ohne Leiden”. Vielleicht kann ja auch ich den Regen lieben lernen, wie zum Beispiel der DocRunner oder Marcus, der Täglichläufer. Keinen Hund würde man bei diesem Wetter vor die Tür jagen – aber dem Schweinehund, dem alten Drecksack, dem werde ich es zeigen. Mal sehen, ob er noch lacht, wenn ihm das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht… (weiterlesen…)
Ich habe gedopt!
Mittwoch, 3. Juni 2009
Wirklich intensiv habe ich ihn zwar nicht verfolgt, aber der Giro d’Italia scheint seinen 100. Geburtstag ohne die ganz großen und medienwirksamen Dopingskandale gefeiert zu haben. Bereits in gut einem Monat startet die nächste große Apothekenrundfahrt – und spätestens bei der Tour de France wird sicher wieder mindestens ein intelligenzbefreiter Radprofi auffallen, dessen Blut mehr Chemie enthält als der Musterkoffer eines Pharmavertreters. Bevor uns also wieder eine geistige Amöbe mit Unschuldsmiene beteuert, nie – aber auch wirklich nie – irgendetwas auch nur im Ansatz Unerlaubtes getan – geschweige denn eingenommen – zu haben, möchte ich die Ruhe vor dem Sturm für ein Geständnis nutzen: Ich habe gedopt! Zu meiner Verteidigung kann ich nur anführen, dass ich Opfer eines groß angelegten Komplotts von wahrscheinlich internationalem Ausmaß geworden bin. (weiterlesen…)
Textile Abrüstung
Dienstag, 26. Mai 2009Sonnenschein hebt nicht nur ganz allgemein meine Stimmung, sondern steigert auch meine Lust aufs Laufen erheblich. Anders als vielen anderen Läufern macht mir Hitze eher wenig aus. Speziell beim Tempotraining gilt für mich: je heißer, desto besser. Das erhöht den Quäl-Dich-Faktor und damit den Spaß. Aber natürlich ist irgendwann die Schmerzgrenze erreicht. Drei untrügliche Signale deuten darauf hin, dass es selbst mir einen Hauch zu warm ist. (weiterlesen…)




