Als mich die ersten Sonnenstrahlen des wunderschönen Maisonntags wachkitzeln, spüre ich als erstes meine Oberschenkel. Elefantös dick fühlen sie sich an, und unglaublich schwer. Dann bemerke ich das Lächeln auf meinem Gesicht. Bittersüßer Schmerz. Mehr als 20 Stunden hält die Freude über den gestrigen Wettkampf jetzt schon an – und das, obwohl ich bei einem Zehn-Kilometer-Rennen noch nie langsamer unterwegs war. Und obwohl ich mich das gesamte Frühjahr über eher wettkampfmüde fühlte. Und obwohl man bei einer familiären Veranstaltung mit gerade einmal 249 Finishern kaum von der euphorisierenden Wirkung eines Großereignisses sprechen kann. Trotzdem hat mich der Lauf mitgerissen, mir gute Laune beschert, mir neue Lust aufs Laufen gemacht. Und schon beim Frühstück freue ich mich darauf, meinem Läuferkonto unter der nachmittäglichen Maisonne ein paar weitere Kilometer hinzuzufügen. (weiterlesen…)
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Wettkampfgedanken
Sonntag, 9. Mai 2010Pfadfinder im Penrose-Dreieck
Samstag, 8. Mai 2010
Echte Münchner, so heißt es, laufen nicht im Englischen Garten, sondern an der Isar. Und ich weiß jetzt auch warum. So lange man den Fluss zur Rechten oder Linken hat, kann man sich nämlich nicht verlaufen. Im Englischen Garten, dessen verschlungenes Wegenetz die Gesetze der Geometrie ad absurdum zu führen scheint, ist es dagegen ein Leichtes, die Orientierung zu verlieren. Das Muster geradeaus laufen – rechts abbiegen – geradeaus laufen – links abbiegen – geradeaus laufen – rechts abbiegen und so weiter führt den Läufer auf jeder anderen Ebene dieses Universums diagonal über dieselbe. Im Englischen Garten bildet es einen Kreis. Vermutlich sind M. C. Escher die Ideen zu seinen unmöglichen Figuren bei einem Spaziergang in Münchens bekanntestem Park gekommen. Für lustwandelnde Touristen mag die dem logisch denkenden Menschen nicht eingängige Wegeführung Attraktion per se sein. Der Läufer aber, der einen bestimmten Punkt ansteuern möchte, wünscht sich in einen französischen Barockgarten mit seinen geometrischen Mustern. Nun gut, so lange die kamerabewehrten Stadtbesucher in versprengten Kleingruppen durch die Parkanlage irren, stören sie weniger, als wenn sie in Bataillonsstärke auf dem Marienplatz einfallen und mit offenen Mäulern auf das Glockenspiel am Neuen Rathaus starren, das sich dadurch aber auch nicht dazu bewegen lässt, häufiger als drei mal täglich zu erklingen. (weiterlesen…)
Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?
Mittwoch, 11. November 2009Gibt es ein Leben nach dem Marathon?
Ich kenne mich selbst ja nun schon seit einigen Jahren. Und weil ich mich so gut kenne, befürchtete ich, nach dem Marathon in ein tiefes, schwarzes Motivationsloch zu fallen. Die Versuchung, mich nach dem Erreichen des großen Ziels einfach mal ein paar Monate dem süßen Müßiggang hinzugeben, erschien mir doch recht verlockend. Dass diese Faulenz-Phase genau in eine kritische Jahreszeit fallen würde – denn die Weihnachtszeit macht ja bekanntlich Hintern breit –, war mir sehr wohl bewusst. Tief in meinem Inneren hatte ich mich bereits mit einigen Kilogramm zusätzlichen Hüftgolds arrangiert. Und im Januar hätte ich dann – gute Neujahrsvorsätze in die Tat umsetzend – den alten Einsteiger-Trainingsplan herausgesucht und mich mühsam über die ersten drei oder vier Kilometer gequält. Ewiger Anfänger eben. Den Kampf gegen die bevorstehende Motivationskrise hatte ich schon aufgegeben, bevor mir der innere Schweinehund überhaupt den Krieg erklärt hatte. Dann war es eben eine sich selbst erfüllende Prophezeiung – ich hatte mir eine Pause mehr als redlich verdient. (weiterlesen…)
Die Drei Fragen
Dienstag, 3. November 2009
Die geneigte Leserin und der geneigte Leser warten hoffentlich immer noch gespannt auf meinen Bericht zum München Marathon 2009. Aber als mein Endorphinspiegel endlich wieder ein Niveau erreicht hatte, auf dem ich halbwegs sinnvolle und zusammenhängende Sätze ohne übermäßigen Gebrauch der Worte “Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!” zu bilden, wurde die Erzählung allerdings ein wenig zu lang und verlangte nach einer sinnvollen Unterteilung. Aus Musikalben werden ja auch Singles ausgekoppelt. Als kleinen Appetitmacher auf den noch zu veröffentlichenden Artikel hier also ein paar Randgedanken. Denn es gibt drei Fragen, die das Läuferleben nicht nur begleiten, sondern es über mehrere Ebenen hinweg regelrecht durchdringen: (weiterlesen…)
Ich will alles. Und ich will es jetzt.
Sonntag, 30. August 2009I’m a man with a one track mind
so much to do in one life time
not a man for compromise
and wheres and whys and living lies
(Queen)
Im Großen und Ganzen bin ich recht froh darüber, mir zumindest ein kleines Stück meines kindlichen Gemüts bewahrt zu haben. Und ich habe vor, dieses Kind im Mann weiterhin zu hegen und zu pflegen – auch wenn das Rotzblag mitunter ganz schön anstrengend sein kann. “Ich will aber!” – das ist sein Lieblingssatz. “Paradoxon” dagegen kommt in seinem Wortschatz überhaupt nicht vor. Widersprüche aufzulösen überlässt es nur zu gerne meinem erwachsenen Ich. Und das stand gestern vor einer klassischen Wettkampf-oder-Training-Kontradiktion (WoT-K), einem Dilemma, das dem einen oder anderen Leser bekannt vorkommen könnte. (weiterlesen…)
Billig? Kann ich nicht!
Montag, 13. Juli 2009
Wie fast jeden Abend klicke ich mich mehr oder minder interessiert durch die Neuigkeiten aus aller Welt, die mein fleißiger Nachrichtensammler für mich zusammengetragen hat. Und wie so oft bleibe ich dabei an einem kurzen Text hängen, den man wohl eher als Randnotiz denn als Nachricht bezeichnen muss. Während der Rest der Republik das Mysterium der Führerscheinprüfungsproblemzone vermutlich – wenn überhaupt – mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nimmt, hält der Artikel für mich eine echte Offenbarung bereit. Wolfgang Prescher, der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Sachsen-Anhalt, erklärt mir darin nämlich, warum ich bei allen meinen Wettkämpfen den größten Teil des Felds vor mir hertreibe. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass Herr Prescher diesen Erkenntnisgewinn weder beabsichtigte noch um ihn weiß, aber Ehre sei wem Ehre gebührt. (weiterlesen…)
Sommer ist, wenn man trotzdem lacht…
Samstag, 27. Juni 2009
Was ich eigentlich schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatte, ist gestern dann doch noch eingetreten: Ich bin zumindest einmal in dieser Woche regenfrei über die Laufrunde gekommen. Und da dabei sogar die Sonne durch die spärlichen Wolkenlücken blinzelte, kann ich jetzt mit Gewissheit sagen: Sie ist noch da! Ich bin erleichtert. Nach mindestens vier völlig verregneten Tagen in Folge, an denen es nicht einmal richtig hell wurde, tat es richtig gut, die wärmenden Strahlen auf der Haut zu spüren. Leider sah der Trainingsplan wegen des bevorstehenden Wettkampfs nur eine kleine Runde vor, trotzdem war ich anschließend regelrecht euphorisiert und habe mich den Rest des Abends auf den Stadtlauf gefreut. Und was sehe ich heute morgen, als ich aus dem Fenster schaue: tiefes Grau, alles ist nass, und es regnet Katzen und Hunde. Zu früh gefreut! (weiterlesen…)
Gud’n Aaamd!
Samstag, 9. Mai 2009
Die Überschrift und das Bild dieses Artikels liefern einen nicht eben dezenten Hinweis auf meinen nächsten Wettkampf. Wir Läufer benutzen ja ganz gerne mal das Wort “Wettkampf”. Obwohl für die meisten von uns der “-kampf” im Vordergrund steht, suggeriert das “Wett-“ dem Leser oder der Zuhörerin, dass wir zum engeren Favoritenkreis zu zählen sind. Selbstverständlich liegt es nicht in unserer Absicht, jemanden zu täuschen, aber man muss ja auch nicht jeden Irrtum sofort aufklären – die Ergebnisliste verkündet die ernüchternde Wahrheit dann schon früh genug. Und so darf man sich beim Samstagnachmittagskaffee mit den komplett unsportlichen Schwiegereltern, die schon den Gang zur nächsten Straßenecke für eine unvorstellbare sportliche Leistung halten, ein paar Stunden in Bewunderung sonnen. (weiterlesen…)
Der Läufer-Knigge (1): Olfaktorische Belästigungen vermeiden
Montag, 13. April 2009
Die Teilnahme an einem Wettkampf fordert alle fünf Sinne des Läufers – und das bereits im Startblock! Tausende von Menschen, die sich in kräftig – um nicht zu sagen: grell – gefärbte Funktionsfaser hüllen, sind schlicht nicht zu übersehen und strapazieren die visuelle Wahrnehmung. Moderatoren, die sich für originell halten, es aber nur selten sind, malträtieren die Gehörgänge. Schafft man es meist noch, dem ebenso aufgeregten wie sinnbefreiten Geplapper nicht zuzuhören, dröhnt spätestens die Startmusik – origineller weise fast immer “Highway To Hell” von AC/DC – dem arglosen Läufer die letzten Schmalzreste vom Trommelfell. Gefühlte 60.000 Dezibel stellen die auditive Wahrnehmung auf eine harte Probe. Je näher die Startzeit rückt, desto enger wird es natürlich im Startblock. Alles schiebt in Richtung Startlinie – als ob bei den bevorstehenden 42.195 Metern die 30 Zentimeter, die man durch Gedrängel und Geschiebe gewinnt, irgendeine Bedeutung hätten. Unfreiwillig hat der Läufer mehr Haut- und Körperkontakt, als ihm lieb ist, die haptische Wahrnehmung gerät an ihre Grenzen. Nun könnte man an diesen drei erstgenannten Sinneswahrnehmungen durchaus noch Freude empfinden, wenn man denn wollte. Das sieht bei der gustatorischen Wahrnehmung, dem Schmecken, anders aus. Allerdings ist am komischen Geschmack auf der Zunge und dem verklebten Gaumenbereich nur der Läufer selbst schuld – denn wer sich kurz vor dem Rennen Kohlehydrate und Mineralstoffe aus dubiosen Aluminiumtuben oder in Spülmaschinentab-Form reinziehen muss, braucht sich über das geschmackliche Inferno nicht zu wundern… (weiterlesen…)
Runner’s World Laufcamp 2009 – Tag 7: Wettkampf mit drei “F”
Freitag, 13. März 2009Nachdem ich die ganze Woche geschlafen habe wie ein Baby, war die letzte Nacht doch eher unruhig. Kaum lag ich im Bett, spürte ich jede Muskelfaser von der Hüfte abwärts – und war erstaunt, wie viele das doch sind. Meine Waden fühlten sich an, als hätte sich die gesamte Muskulatur auf Golfballgröße zusammengekrampft. Eine ordentliche Dosis Magnesium im Morgengrauen verschaffte zumindest der Psyche etwas Linderung.
Übertraining? 70 Kilometer in sechs Tagen fordern eben doch ihren Tribut. Oder erkenne ich da läufertypisches Vorwettkampfgejammere? Heute, am letzten “vollen” Tag im Trainingscamp, stand nämlich ein Wettkampf – oder besser ein Wettkämpfchen – an. Es galt, auf der schier unüberwindbaren Strecke von fünf Kilometern zu beeindrucken. Zumindest sich selbst. Sonst interessiert’s ja niemanden. Meine Zeit war mir zwar egal, auf Unterdistanzen bin ich ohnehin eine lahme Ente, aber es gab doch so ein, zwei Kandidaten, die ich gerne hinter mir lassen wollte. Ganz ohne Ehrgeiz geht es eben doch nicht…
Man kann es aber auch übertreiben. Wie zum Beispiel die beiden Kompressionsstrumpfträger gestern im Aufzug, die die Strecke noch einmal “mental durchgehen” wollten. Das Fragewort mit zwei Buchstaben schoss aus mir heraus: “Hä?” 2500 Meter hin und wieder zurück – was gibt es denn da groß “durchzugehen”? Aber wie sagt der Rheinländer: Jede Jeck es anders. (weiterlesen…)




