Irgendwas ist ja immer. Heute zum Beispiel habe ich herausgefunden, warum Blasenpflaster “Blasenpflaster” heißen. Richtig – weil sie Blasen verursachen. Nicht so kleine, lächerliche Bläschen, die nicht einmal weh tun und keiner Rede wert sind. Nein, richtig große Blasen, dick und mit Wundsekret prall gefüllt, die bei jeder Berührung höllisch brennende Schmerzen verursachen. So in etwa muss es sich anfühlen, wenn man über glühende Kohlen läuft. Heute Morgen hatte ich noch ein kleines Problem mit zwei kleinen Blasen. Zwei Stunden und 20 Kilometer später habe ich ein riesiges Problem mit zwei gewaltigen Blasen.
Am vergangenen Sonntag habe ich mir bei meiner persönlichen Varusniederlage zwei Blasen gelaufen – innen an den Fersen. Sieht so aus, als käme ich mit der Pronationsstütze der asics GT-2140 nicht so recht klar. Vielleicht waren die High-Tech-Sandalen aber auch einfach noch nicht genug eingelaufen. Nun ja, jedenfalls sahen die beiden Bläschen schlimmer aus als sie sich anfühlten, und ich bin die ganze Woche schmerzfrei damit gelaufen.
Gestern Abend hatte ich dann das, was sich heute als totaler Hirnfurz herausstellen sollte. Am Sonntag steht ein langer Lauf an, da könnte ich mir doch mal Blasenpflaster auf die Bläschen kleben, damit die nicht zum Problem werden. Irgendwann hatte ich mir mal eine Packung vom Discounter mitgenommen. Zwei Stunden später habe ich sie wiedergefunden. “Wirkstoff: Hydrokolloid” steht auf der Pappschachtel, das klingt schon mal unheimlich medizinisch. “Zur Behandlung, Vermeidung und zum Schutz von Blasen” ist darunter zu lesen, genau das, was ich will. Die Pflaster sind irgendwie gelartig und polstern die Blasen angenehm ab, so weit fühlt sich das ehrlich gesagt wirklich gut an.
Beim Einsteigen in Socken und Schuhe heute Morgen habe ich im Grunde gar nicht mehr an die beiden Störenfriede gedacht. Erst bei Kilometer 5 wurde die Erinnerung durch ein leichtes Ziehen wieder geweckt. Da wird sich doch nicht das Pflaster gelöst haben? Bis Kilometer 10 ist aus dem leichten Ziehen ein deutliches Brennen geworden. Soll ich stehenbleiben und mich um das Problem kümmern? Aber Erstens verspüre ich wenig Lust, mir das Massaker anzuschauen – am Ende dreht sich mir noch der Magen um. Und Zweitens habe ich Angst, anschließend nicht mehr in die Schuhe zu kommen und zehn Kilometer barfuß nach hause humpeln zu müssen. Also den Schmerz einfach herunterschlucken, und wenn man sich auf irgendetwas anderes konzentriert, zum Beispiel die nackten Schönheiten am See, vergisst man das Brennen sogar.
Das Ignorieren des Schmerzes gelingt erstaunlich gut, man ist ja Kummer gewohnt. Beim unvorsichtigen Abstreifen der Schuhe klingeln mir aber die Ohren, ein Stechen fährt von der Fußsohle bis ins Knie und das Echo lässt noch ein paar Synapsen im Großhirn beben. Der Ohnmacht nahe muss ich mich erst einmal sammeln, bevor ich mich an die Socken wage. Der Anblick ist nichts für schwache Nerven: Blasenpflaster und Socke haben sich zu einer Art klebrigem Wollknäuel verbunden, eine Allianz des Bösen, die für ordentlich Druck und Reibung auf dem armen kleinen Bläschen gesorgt hat. Und das fühlte sich dadurch genötigt, sich zu einem hühnereigroßen Monstrum aufzupumpen, das jetzt unterhalb des Knöchels herumhängt. Aus einiger Distanz sieht es so aus, als hätte ich zwei Knöchel. Wenn ich barfuß herumlaufe, spüre ich das Sekret in dem Ballon herumschwappen. Und ich bilde mir ein, dass man es sogar hören kann.
Die Blasenpflaster werden jetzt erst einmal entsorgt. Billiger Tinnef. Und den beiden widerlichen Blasen werde ich mit der guten alten Bundeswehrtaktik zu Leibe rücken: Aufstechen, desinfizieren, Pflaster drauf, abwarten. Und in Zukunft werde ich Blasen im Keim ersticken, Margitta hatte dazu einen guten Tipp.
Und wo ich gerade so über Blasen schreibe, fällt mir ein uralter Witz ein, den ich hier mal in der jugendfreien Version wiedergebe:
Was ist der Unterschied zwischen Tuten und Blasen?
Na, hast du schon mal Tuten an den Füßen gehabt?
Schlagworte: Blasen, Discounter, Gesundheit, Kolumne, langer Lauf, Laufen, Laufschuhe, Schmerz




Unter uns beiden erst einmal :
herzliches Beileid und Gratulation zur Erkenntnis, dass Billiges meist auch billig ist.
Ohne besserwisserisch wirken zu wollen, wirklich gute Blasen-Pflaster haben ihren Preis, aber sie halten dann auch, was sie versprechen, vom Aufstechen halte ich wenig, einfach ein wenig mehr investieren, Pflaster auf die Blase laut Vorschrift kleben, und du hast deine Ruhe – auch und gerade beim Laufen – oder – wie erwähnt – vorbeugen.
Na ja, wie heißt ein anderes Sprichwort, das das sagt:
” Aus Erfahrung wird Mann klug – oder auch nicht !,)
Autsch!
Das mit dem billigen Blasenpflaster kann ich nur bestätigen. Ich hatte zwar bisher sehr, sehr selten Blasen, aber wenn ich welche hatte dann halfen bisher nur Marken-Blasenpflaster. Die aber sehr gut.
Ich hoffe Du kriegst die Sache noch in den Griff!
Margitta und Gerd,
vielen Dank für den Tipp mit den Markenpflastern. Ich habe normalerweise in Laufschuhen auch keinerlei Probleme mit Blasen, aber wenn es mich nochmal erwischen sollte, dann werde ich zur Qualitätsware greifen…
He Lars,
Habe gute Erfahrungen mit denen gemacht, insbesondere bei Wanderungen mit alpinem Charakter.
kann Margitta nur zustimmen. Gute Blasenpflaster sind teuer und kommen meist aus der Apotheke
Salut
Geht doch !
wer freut sich nicht über Reaktionen und/oder konstruktive Antworten auf Geschriebenes, und für mich ist es eine Frage der Höflichkeit meinen Lesern gegenüber, auch auf deren Antworten einzugehen.
Klaro, ist es mit ein wenig Arbeit verbunden, aber auch meine Leser opfern ihre freie Zeit, darum lasse ich sie anschließend auch nicht alleine.
So gefällt es mir entschieden besser, wenn der Autor reagiert.
Danke !
So langsam glaube ich ja, dass Blasen ansteckender sind als die Schweinegrippe und sich – wie die bösen IT-Viren – über das Internet verbreiten.
Wollen wir mal hoffen, dass uns Margittas Tip in Zukunft vor weiteren Übeltätern schützt.
Heute in der Apotheke gewesen, sündhaft teure Marken-Blasenpflaster gekauft, und ein Deja Vu gehabt: Socke und Blasenpflaster gehen eine Symbiose ein und verschlimmern das Problem…
Hi,
Da war es mir aber auch nicht nach Lachen
Meine Fersen-Innenseiten sind immer Risikostelle für Blasen, obwohl ich keine Pronation habe. Trotzdem bin ich mit den Nagelneuen Laufschuhen für 16K losgerannt, ohne die Fersen im voraus zu pflastern… Bei ca. km 6 wußte ich schon, daß es da Ärger geben wird. Bei km 11 mußte ich fast heulen und jemanden nach Pflaster bitten, bei km 16 waren schon Pflaster und Haut tief in die Wunde gequetscht, ich mußte mich extrem beherrschen, damit ich das Training beenden konnte – Sch…..!! Gestern nacht vor Schmerz kaum geschlafen, heute einen Tag freigenommen um die Heilung zu fördern
Neogranormon drauf, Flüssigkeit öfters abtränken – die Wunden sehen schon viel besser aus. Morgen mach ich Hydrokolloide-Pflaster drauf und am Donnerstag kann ich hoffentlich schon wieder laufen. Allerdings werde ich nicht wieder vergessen die Fersen im voraus zu tapen (Sportsverband oder Omnisilk).
Hatte am WE eben die gleiche Geschichte durchgemacht